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Klischees im romantischen Roman


Klischee

Wer kennt sie nicht?

Sie ist über irgendetwas so wütend, dass sie kopflos davonrennt und direkt in seine breite und muskulöse Brust hineinläuft. Meist endet dieser Vorfall damit, dass sie sich heimlich in ihn verliebt, es ihm aber nicht gesteht, weil es ihr peinlich ist. Dann werden beide durch irgendwelche Umstände dazu gebracht, gemeinsam in einer einsamen Hütte zu übernachten, wo selbstverständlich auf getrennten Betten bestanden wird. Sie sucht zum Duschen das Bad auf, das natürlich über keine Verriegelungsmöglichkeit besteht und er kommt aus Versehen herein. Sie ist schockiert, merkt aber, dass er sich nun auch in sie verliebt hat und so weiter…

Findest du das auch so öde, wie ich?

Warum gibt es nicht mal Geschichten, wo die beiden Hauptfiguren sich auf ganz normale Weise kennenlernen? Die kann man direkt aus dem Leben abschreiben und spannend verarbeiten.

Nehmen wir mal die Kennenlerngeschichte meiner Eltern. Beide waren zum Tanz mit einem anderen Partner verabredet und warteten vor der Tür der Tanzbar. Beide wurden versetzt und beschlossen dann, den Abend gemeinsam zu verbringen. Das Ergebnis sitzt hier an der Tastatur und erzählt dir was über Klischees.


Mal angenommen, sie hätten zwar den Abend miteinander verbracht, sich dann aber getrennt, ohne Kontaktdaten auszutauschen. Mein späterer Vater stellt am nächsten Tag fest, dass er sich doch ein klein wenig in meine spätere Mutter verliebt hat und macht sich auf die Suche nach ihr. Er weiß, sie ist Kindergärtnerin und arbeitet täglich bis 17 Uhr. Also lungert er jeden Tag vor einem anderen Kindergarten herum, bis er sie endlich wiedersieht. Aber er ist zu schüchtern, sie anzusprechen und folgt ihr dann drei Tage lang, ohne sich zu erkennen zu geben.

Sie geht jeden Tag in einem kleinen Bioladen einkaufen (gabs damals noch nicht, aber nehmen wir es mal an). Natürlich hat sie bemerkt, dass ihr der junge Mann gefolgt ist. Sie möchte ihn aber nicht bloßstellen, weil sie ihn sehr sympathisch findet. Also kauft sie eine Tüte Äpfel und stolpert ganz aus Versehen, als sie den Laden verlässt. Er springt natürlich herzu und verhindert, dass meine spätere Mutter und auch die Äpfel auf die Straße rollen.

Herrje, da haben wir es schon – das nächste Klischee. „Der Retter in der Not“. Das wollten wir doch vermeiden.

Ich glaube, so ganz ohne Klischee kommen wir in diesem Genre leider nicht aus. Zumal so ziemlich alles schon mal irgendwo aufgeschrieben wurde. Da hat es der ambitionierte Schreiber gepflegter Romantik doch recht schwer, etwas Neues zu erfinden.

Wie kann man das lösen? Es gibt ja Romane, wie die von Nicholas Sparks, die im Prinzip immer nach dem gleichen Strickmuster geschrieben sind. Das ist bei den ersten drei Büchern noch ganz spannend, wird aber dann doch öde, weil der Leser den Eindruck gewinnt, dass lediglich die Figuren und das Setting ausgetauscht wurden, das Muster aber im Prinzip gleichgeblieben ist.

Ich denke, mit etwas mehr Mühe kann man das Strickmuster so verändern, dass der Leser gar nicht auf die Idee kommt, es könnte immer die gleiche Masche sein. Das kostet Mühe und erfordert den Blick ins reale Leben, das doch immer noch die besten Geschichten schreibt. Und das würzen wir dann mit unserer Kreativität.

Im Grunde möchten die Leser, dass die Liebesgeschichte spannend ist, dass die Zwei um ihr Glück kämpfen müssen, dass sie nicht sofort übereinander herfallen, sondern sich an den Unwägbarkeiten des Lebens abarbeiten und dann zueinander finden.

Spannung bringt eine dritte Person hinein, die wahlweise entweder als Bösewicht fungiert oder als Konkurrent. Und natürlich dürfen Schwierigkeiten nicht fehlen, an denen die Liebenden zusammenwachsen oder ihre Liebe beweisen müssen. Hier lauert der Klischeeclown gleich doppelt und dreifach. Es gibt ein Missverständnis, das die Liebenden kurzzeitig auseinanderbringt und/oder die dritte Person (die natürlich für die geneigte Leserin nicht halb so positiv besetzt ist, wie die eigentliche Zielfigur) wird für die eine zerstrittene Partei wegen des Streits interessanter, obwohl sie sich doch eigentlich nach dem anderen verzehrt. Und/oder die eine Figur gerät in schwere Not und nun kann sich die andere Figur, die eigentlich mit dem Kapitel schon abgeschlossen hat, doch noch beweisen und gewinnt endgültig den Kampf ums Herz des/der Allerliebsten.

Das Genre „Romance“ spielt ja mit unseren geheimen Sehnsüchten. Welche Frau hat nicht von dem Mann geträumt, der nicht nur schön und sexy ist, sondern sich auch noch ausschließlich in sie, als die einzige Frau seines Lebens, unsterblich verliebt? Für Männer gilt vermutlich das Gleiche.

Nur gibt’s diese Person im wahren Leben selten. Grad das ist für mich als Autorin die Herausforderung. Nicht billig und vorhersehbar liefern, sondern aus dem, was uns im normalen Alltagswahnsinn begegnet, etwas so Romantisches zu machen, dass die Leserin oder auch der Leser  glaubt, genau das könnte ihr/ihm auch passieren.

Gern gestalte ich meine Frauenfiguren so, dass sie im Lauf der Geschichte selbst den Mut finden, nach genau diesen Gelegenheiten zu suchen und den ersten Schritt zu wagen. Das ist ja noch nicht immer selbstverständlich. Männer kommen in der Rolle desjenigen, der den ersten Schritt tut, das muss ich gestehen, in meinen Geschichten noch nicht so häufig vor. Aber das ändere ich gerade. Meine Geschichte „Kugelfisch“ ist noch im Entstehen. Ich versuche, die Klischeefalle zu vermeiden. Das ist wirklich gar nicht einfach. Wenn die Story fertig ist, präsentiere ich sie hier natürlich. Inzwischen kannst du, wenn du magst, noch ein wenig runterscrollen zu meinem Blogbeitrag „Romantische Geschichten“. Das romantische Thema ist einfach nicht wegzudenken. Wäre ja auch schade, nicht?

Übrigens findest du unter Leseproben/ Kurzgeschichten derzeit auch eine kleine romantische Story. Du musst ganz bis zum Schluss scrollen. Sie heißt „Ein Hund namens Benno“. Vielleicht gefällt sie dir?