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Wer kennt sie nicht?

Sie ist über irgendetwas so wütend, dass sie kopflos davonrennt und direkt in seine breite und muskulöse Brust hineinläuft. Meist endet dieser Vorfall damit, dass sie sich heimlich in ihn verliebt, es ihm aber nicht gesteht, weil es ihr peinlich ist. Dann werden beide durch irgendwelche Umstände dazu gebracht, gemeinsam in einer einsamen Hütte zu übernachten, wo selbstverständlich auf getrennten Betten bestanden wird. Sie sucht zum Duschen das Bad auf, das natürlich über keine Verriegelungsmöglichkeit besteht und er kommt aus Versehen herein. Sie ist schockiert, merkt aber, dass er sich nun auch in sie verliebt hat und so weiter…

Findest du das auch so öde, wie ich?

Warum gibt es nicht mal Geschichten, wo die beiden Hauptfiguren sich auf ganz normale Weise kennenlernen? Die kann man direkt aus dem Leben abschreiben und spannend verarbeiten.

Nehmen wir mal die Kennenlerngeschichte meiner Eltern. Beide waren zum Tanz mit einem anderen Partner verabredet und warteten vor der Tür der Tanzbar. Beide wurden versetzt und beschlossen dann, den Abend gemeinsam zu verbringen. Das Ergebnis sitzt hier an der Tastatur und erzählt dir was über Klischees.

19. Juli 2026

Den Spruch kennt wohl jeder.

Ich komme auf dieses Thema, weil ich kürzlich mit einem jungen Mann diskutierte, der die Graffitikrakelei an einem Brückenpfeiler als Kunst klassifizierte. Aus meiner Sicht handelte es sich um eine Sachbeschädigung, ein schwarzes Gekrakel ohne Sinn und Verstand, die bestraft gehört.

Dass Kunst auch immer Geschmackssache ist, da sind wir uns bestimmt einig. Zwischen Sachbeschädigung und Kunst gibts allerdings einen großen Unterschied, finde ich. Gut, Banksy bemalt Fassaden auch ohne Zustimmung des Eigentümers und stellt Werke her, die viele Menschen erfreuen. Es gibt also Ausnahmen, wenn der Künstler den Geschmack des Publikums trifft.

Die Geschmackssache fängt schon damit an, dass viele Menschen eher die bildliche Kunst mögen, bei der wir erkennen können, was der Künstler darstellen will. Das muss uns nicht immer gefallen, aber zumindest ist erkennbar, was es sein soll. Es ist Kunst, ein Segelboot auf einem Fluss zu malen und es dabei so lebendig erscheinen zu lassen, als säße man direkt am Ufer.

Für manche Menschen ist das Gegenteil davon, die abstrakte Kunst, ein Zeichen für ein höheres Können und mehr Fantasie.

14. Juni 2026

Anlässlich meiner neuesten Kurzgeschichte, „Tatadamm“, lade ich dich ein, mit mir mal über das Thema „Leben und Sterben“ zu philosophieren. Das ist ja etwas, um das wir uns gerne herumdrücken, obwohl wir alle wissen, dass das Leben endlich ist.

Meine Kurzgeschichte „Tatadamm“ ist nicht traurig, eher friedlich. Da geht jemand aus der Welt, zufrieden, ohne Groll, sogar mit einer gewissen Gelassenheit und auch Sehnsucht, das irdische Leben zu verlassen und -vielleicht- in einer anderen Welt einen Neuanfang zu wagen.

Wenn Menschen sagen „Ich möchte sterben“ können wir, die doch das Leben so sehr lieben, das mitunter nicht verstehen. Geht es dir auch so?

Versetze ich mich in ganz alte Menschen hinein, kann ich persönlich diesen Wunsch nachvollziehen. Sie haben schon Vieles gesehen, so ziemlich alle Erfahrungen gemacht, die das Leben für uns bereithält und sie sind müde angesichts der immerwährenden Wiederholung der Schattierungen unseres Daseins. Nach der fünfzehnten Fußballweltmeisterschaft gibt es nichts, was uns daran neu erscheint. Der achtzigste Sommer wird nur noch als heiß und ermüdend empfunden, das Geschwätz der Nachbarn oder gar das eigene als inzwischen belanglos und uninteressant und sich immer wiederholend verspürt.

17. Mai 2026

Erinnert ihr euch an den Lockdown in der Coronazeit? Als selbst in den Großstädten der Grundlärm ausblieb und Stille einkehrte? So richtig Stille. Kein Verkehrslärm, keine lauten Menschen, kein Straßenbahngequietsche, kein Flugzeuglärm, nix. Nur Stille.

Ich hoffe, ihr steinigt mich nicht … Aber bei allen Beschränkungen, die damit einhergingen – ich habe diese Stille genossen. Aus tiefstem Herzen.

Natürlich kann man beispielsweise im Urlaub auch Stille genießen. Wer es mag, wird solche Orte suchen. Dennoch ist da auch immer noch im Hintergrund eine Art Lärm, ganz fern, trotzdem spürbar. Vermutlich nicht auf einer Insel in den Malediven oder in der Wüste, aber inmitten unserer Zivilisation ist Stille ein Gut geworden. Eben weil sie nicht immer verfügbar ist.

Es gibt natürlich Menschen, die Stille nicht genießen wollen und können. Eine Bekannte von mir geht zum Beispiel mit Absicht im allergrößten Weihnachtstrubel in die Stadt einkaufen. Sie liebt das, was für viele andere ziemlicher Horror ist. Zum Lärm kommen da ja noch Gedränge, Gerüche und eine hektische Stimmung, die mir persönlich jede Freude am Shoppen verleidet.

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Mein Thema heute ist die Stille, die laut ist. Die dröhnt, die etwas in dir kaputt macht und mehr Schaden anrichtet, als es ein lautes Flugzeug oder ein Rockkonzert könnte.

19. April 2026

Merkwürdige Überschrift, oder?

Ja und nein. Ein Thema, das mich schon länger beschäftigt, ist die Frage, ob wir verlernen, mit anderen Menschen zu interagieren.

Das in der Überschrift benannte Ömchen wohnt in meiner Straße und ich muss täglich an seinem Haus vorbei. Sehr oft sitzt das Ömchen am Fenster und freut sich, wenn Vorüberlaufende sein Winken beantworten. Die Frau geht vermutlich gut auf die Neunzig zu und lebt allein. Ihre Familie, Sohn und Tochter, sowie die Enkel kümmern sich rege. Und dennoch bleiben natürlich zwischen den Besuchszeiten viele Stunden, die die Frau füllen muss. Wir nennen sie liebevoll Ömchen, weil sie immer freundlich ist und sie uns großen Menschen so klein und verletzlich vorkommt. Vielleicht ist sie es ja auch.

Ich stelle mir vor, dass das Küchenfenster, an dem sie so gerne sitzt, ihr Fenster zur Welt ist. Sie ist nicht mehr gut zu Fuß, dreht dennoch fast täglich eine Runde am Rollator durchs Wohngebiet. Begegnungen und Impulse sind da auf ein Minimum reduziert. Treffe ich sie, bleibe ich immer auf einen kleinen Plausch stehen. Eher Smalltalk, aber halt eine kleine Übung für ihre Stimmbänder und fürs Gemüt.

15. März 2026

Wir gehen alle durchs Leben, erfahren Liebe und Ablehnung, meistern Herausforderungen oder scheitern, machen Fehler, lernen Neues … Wir erleiden Schicksalsschläge, haben glückliche Zeiten, altern, werden krank und gesund, kämpfen, leiden, feiern… All das und noch viel mehr gehört dazu, wenn wir vom Neugeborenen zum Erwachsenen reifen, wenn wir uns weiterentwickeln, stehenbleiben oder auch mal rückwärtsgehen und letztlich auf ein (hoffentlich) erfülltes Leben zurückblicken können.

Warum schreibe ich das? Ich habe mir Gedanken gemacht, wie wir das, was uns im Lauf unseres Lebens widerfährt, würdigen können. Wie wir auch Negatives so betrachten können, dass es positiv für uns ist oder zumindest soweit einen positiven Touch erhält, dass wir es akzeptieren und annehmen können.

15. Februar 2026

Wir sind viele. Um genauer zu sein, etwa 8,2 Milliarden Menschen weltweit. Angesichts dieser Menge von Individuen zu sprechen, klingt vielleicht merkwürdig. Man könnte ja annehmen, dass da viele Leute dabei sind, die in der Masse untergehen, weil sie kein Albert Einstein oder ein Kandidat für die nächste Papstwahl sind, oder?

Falsch. Nicht jeder kann ein Genie sein oder das Ziel haben, eines Tages der katholischen Kirche vorstehen zu wollen. Muss auch keiner.

Das Wort Individuum bedeutet: das Unteilbare, ein einzelnes Wesen in seiner Gesamtheit und Einzigartigkeit.

Und genau deshalb schreibe ich diese Zeilen. Weil ich darüber reden möchte, dass Individualität und Einzigartigkeit nicht immer bedeuten müssen, dass man etwas besonders gut kann oder aus der Masse herausstechen muss.