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Buchempfehlungen

Lieber Leser, liebe Leserin,

ich habe Zeit meines Lebens Bücher gelesen und bin inzwischen im Besitz von mehr als 2000 Büchern, von denen ich mich nicht trennen kann, weil die (ziemlich große) Möglichkeit besteht, dass ich sie doch noch einmal in die Hand nehmen möchte. Gelesen habe ich natürlich viel mehr. Allerdings habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, Bücher, die mich nicht so sehr ansprechen oder begeistern, in andere lesefreudige Hände zu geben. Denn wie alles im Leben ist auch ein Buch immer Geschmackssache und vielleicht findet das gedruckte Werk, das mir selbst nicht so gefällt, an anderer Stelle ein freundliches Zuhause.

Ich stelle dir hier meine absoluten Favoriten vor und hoffe, ich kann dich ebenso dafür begeistern. Viel Freude beim Lesen!


Halle ist immer für eine romantische Story gut. Dies ist nun der 2. Roman von Amelia Martin, den ich anlässlich meines letzten (und lange überfälligen) Besuches in Deutschlands ältester Schokoladenfabrik erworben und – ich gestehe – durchgesuchtet habe.
Das lag nicht nur am Setting, das die Autorin in meiner Heimatstadt gewählt hat, sondern auch an der wirklich spannenden Handlung und der Verquickung der Themen Schokolade und Romantik.

Der Roman lebt nicht nur von einer einzigen Hauptfigur, sondern erzählt gleich mehrere Liebesgeschichten, die sehr unterhaltsam miteinander verwoben sind. Zeitlich ist die Handlung rund um den 1. Weltkrieg platziert und natürlich spielen die Salzwirker, die Halloren, und die Schokoladenfabrik eine zentrale Rolle.

Als Hallenserin habe ich mich sehr gern an heute noch existierende Stätten entführen lassen und konnte Einblicke in damalige Gewohnheiten, auch den Umgang mit der Arbeiterschaft, gewinnen, authentische Figuren kennenlernen und echte Ereignisse miterleben. Wirklich gut gemacht, da gibt’s nix zu kritisieren.  Zum Lesen herzlich empfohlen.

Dieses Buch von Matt Haig glänzt nicht so sehr durch einen auffallenden Schreibstil, sondern wegen seiner Grundidee und deren Umsetzung.

Haigs Hauptfigur Nora nimmt sich das Leben und stellt fest, dass es zwischen den Welten, die Leben und Tod heißen, eine Bibliothek gibt, in der es immer Mitternacht ist. In dieser Bibliothek befinden sich unendlich viele Leben, die Nora hätte führen können. Nun hat sie plötzlich die Möglichkeit, verschiedene Leben auszuprobieren und zu schauen, was sie anders hätte machen können oder zu sehen, ob dieses ihr eigene und stets gegenwärtige Gefühl, etwas verpasst zu haben, wirklich berechtigt ist. In einem Leben ist sie eine Komponistin und Sängerin, in einem anderen Mutter, Schwimmweltmeisterin, Lehrerin, Weinbäuerin uvm.

Nora stellt fest, dass jede Veränderung zu dem Leben, welches sie tatsächlich gelebt hat, auch große und kleine Auswirkungen in dessen Verlauf zeitigt. Und die sind nicht immer positiv, sondern mitunter traurig und schockierend.

Die Idee „was wäre, wenn…“ finde ich faszinierend. Wer würde nicht gerne mal nachschauen, ob und wie das Treffen anderer Entscheidungen das eigene Leben beeinflusst hätte. Wäre es völlig anders verlaufen? Welchen Menschen hätten wir (nicht) getroffen, welchen Herausforderungen hätten wir uns gestellt, welche Siege hätten wir errungen oder welche Fehler hätten wir stattdessen gemacht?

„In Caroga Plane stieg ein Mann mit Gitarre ein und fragte die wenigen Reisenden, ob sie was dagegen hätten. Sie schüttelten alle die Köpfe, also sang er schummrige Lieder, seine Stimme war rau, aber irgendetwas darin hob das Dach von dem alten Bus und ließ die Sterne hineinfallen.“

Neben Sätzen wie diesem ist es Chris Whitakers ruhiger Erzählstil, der diesem Buch einen Langzeitaufenthalt in meinem Bücherregal sichert.

Ich bin zufällig daran geraten und war in kürzester Zeit fasziniert, wie der Autor die Story abwickelt – völlig unaufgeregt, dabei durchweg spannend und mit einer Tiefe der Charaktere, die ich noch nicht oft gefunden habe. Selbst der böse Mann wird hier menschlich und sympathisch geschildert. Respekt!

Die Handlung spielt in einer kalifornischen Kleinstadt. 2 Schwestern werden im Abstand von 30 Jahren ermordet. Wir begegnen dem Stadtpolizisten, der auch mal das Hündchen einer alten Dame hütet und gleichzeitig der beste Freund des angeblichen Täters ist. Wir lernen die 13jährige Duchess kennen, die vor ihrer Zeit erwachsen werden muss, weil ihre Mutter sich nicht um sie und ihren kleinen Bruder kümmert. Grad ihre Figur ist so vielschichtig und lebensnah, dass es mir Bewunderung abringt. Jede Figur in dieser Geschichte hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen und so dringen wir langsam in tiefere Schichten ein – der Sog ist nicht aufzuhalten.

Ich mag ja Geschichten aus dem alten Ägypten. Dieser Roman von Betty Winkelmann, der übrigens noch zwei Vorgänger hat (Das Gold von Ägypten und Der goldene Gott), zog mich sofort in den Bann. Es handelt sich um einen historischen Krimi, in dem der Polizist Bak mehrere Morde aufklären und einer Schmugglerbande auf die Spur kommen muss. Das Faszinierende ist das Setting. Eine kleine stille Grenzstadt am Nil zu Zeiten der Königin Hatschepsut, die real etwa 1470 Jahre vor Christus das Land regierte. Die Autorin nimmt uns von der ersten Zeile an mit in den Alltag des Polizisten Bak und beschreibt uns das damalige Leben ganz nebenbei und so anschaulich, dass wir die Bastsandalen an unseren Füßen und den Wüstenstaub in unseren Haaren spüren. Sie verarbeitet dabei unauffällig und unaufdringlich sehr viele kleine Details, die das Geschehen wirklich anschaulich machen.

Nun kann man raten, ob Betty Winkelmann sich das alles ausgedacht oder hervorragend recherchiert hat. Jedenfalls sind alle Details und die Handlung logisch und wirken, wie aus einem Guss. Das macht dieses Buch für mich besonders. Fans der ägyptischen Historie haben auf jeden Fall Spaß mit dieser Lektüre und mit der gut gelungenen Hauptfigur, die von Anfang an überzeugend und sympathisch ist.

Ich habe die Krimireihe von Andreas Föhr versehentlich mit Band 11 begonnen. Damit dir das nicht passiert, präsentiere ich dir hier also das erste Buch aus der Reihe rund um Kriminalkommissar Wallner und den schlitzohrigen Dorfpolizisten Leo Kreuthner. Die Kriminalfälle spielen in Bayern, in und um Miesbach, wo zufällig meine Tante wohnt (liebe Grüße!) und passt da auch absolut hin.

Föhr liefert hier also den ersten Band der Serie ab und der ist schon ganz passabel. Er wird in den weiteren Bänden immer besser, versprochen! Der Autor versteht es, in jedem Buch mehrere Kriminalfälle sehr gekonnt und unterhaltsam miteinander zu verbinden. Da findet sich kein Loch in der Logik, die Handlung ist immer spannend und auch witzig und die Auflösung der Fälle ist stets nachvollziehbar.

Wallner ist die eigentliche Hauptfigur und stellt den ernsthafteren Part dar. Das ist auch nötig, weil Leo Kreuthner das genaue Gegenteil ist.

Der mit etwa 20 veröffentlichten Büchern recht produktive Autor, John Katzenbach, schrieb mit „Der Patient“ einen meiner Meinung nach außergewöhnlichen Thriller.  Ja, es gibt andere Bücher, in denen der Gejagte zum Jäger wird – dieses hier sticht trotzdem heraus.

Die Hauptfigur ist der Psychiater Dr. Frederick Starks, der völlig unvermutet aus seinem normalen Leben gerissen wird. Er erhält die Aufforderung, innerhalb von 15 Tagen herauszufinden, wer ihn da so plötzlich bedroht. Wenn er dies nicht schafft, müsse er sich selbst töten. Anderenfalls bringt der geheimnisvolle Unbekannte einen nach dem anderen seiner Verwandten um. Gleiches gilt, wenn Starks sich an die Polizei wendet.

Nahezu jeder kennt Noah Gordons Roman „Der Medicus“ – aber kennt ihr auch den 2. Teil der Trilogie? „Der Schamane“ schließt in Stil und Handlung wunderbar an Teil 1 an und begeisterte mich ebenso, auch wenn er nicht ganz so spektakulär ist.  „Der Schamane“ fließt eher in ruhigen Gewässern, ist deshalb aber keineswegs langweilig, sondern sehr angenehm zu lesen. Wir erleben hier hautnah das Geschehen rund um den Nachfahren des „Medicus“, Doc Rob J. Cole und dessen tauben Sohn, Shaman (der Schamane genannt), der trotz seiner Behinderung ein begnadeter Mediziner wird. Zeitlich befinden wir uns im Jahr 1839 ff. und erleben mit, wie der wilde Westen zur Zivilisation reift. Der Weg dahin ist freilich mit viel Unwissenheit und zahlreichen Auseinandersetzungen gepflastert, was dieser Familiensaga insgesamt ihren Reiz verleiht. 

Noah Gordon gestaltete sympathische Charaktere, würzte mit interessanten historischen Details, mixte damaliges medizinisches Wissen hinzu und hält die Spannung über die gesamten 700 Seiten. Absolut lesenswert!

Für diejenigen, die es interessiert: Teil 3, „Die Erben des Medicus“ spielt in der Neuzeit und war deshalb für mich nicht ganz sooo interessant- ist aber dennoch eine tolle Ergänzung der Geschichte um die Familie Cole und deshalb ebenfalls lesenswert.