Ein Betrüger wird betrogen (Teil 8, das Finale)
„Komm thon!“ Gislindes Aufregung machte sich bemerkbar. Sonst skandierte sie ihren imaginären Einkaufszettel in den unterschiedlichsten Tonlagen, um sich die einzelnen Dinge besser merken zu können. Jetzt verfiel sie unwillkürlich in diese Angewohnheit. Es war aber auch aufregend!
Ramona, Falks Noch-Ehefrau, schwebte in einem wadenlangen Kleid aus halbdurchsichtigem Stoff durch den Raum und plauderte mit den Gästen, die in kleinen Grüppchen umherstanden. Gislinde mit Perücke und einem Tablett voller Gläser bewaffnet, schob sich durch die Menge und hielt Ausschau nach Marias Nichte, die eigentlich jetzt ihren Auftritt haben sollte. Eigentlich. Wo blieb Kassandra nur?
Kassandra hatte sich bereit erklärt, den Köder zu spielen, als sie von dem Fiasko hörte, das Falk angerichtet hatte. Verständlicherweise wollte sie jedoch nicht allein in die Höhle des Löwen gehen und da Charlotte mit ihrer ausgeprägten Figur und Maria wegen ihrer Größe zu auffällig gewesen wären, fiel die Wahl auf Gislinde. Gislinde wusste nicht, ob das nun gerade schmeichelhaft war, erklärte sich aber bereit, als Joker zu fungieren.
Und da war sie! Atemberaubend. Kassandra hatte wohl tief im Kostümfundus des Theaters gegraben oder sie hatte eine teure Boutique geplündert. Gislinde glühte vor Begeisterung. Was für ein toller Hosenanzug! Das Stück sah aus, als ob es original aus den 70er Jahren stammte. Um den riesigen Hosenschlag hätte wohl selbst ABBA Marias Nichte beneidet.
Dazu trug sie hohe Plateausandalen und einen breitrandigen Hut. Alles in einem fast weißen Beige und mit einer Eleganz getragen, die beeindruckend war. Das fanden wohl auch einige der Gäste, die sich neugierig zu Kassandra herumdrehten und sie unverhohlen anstarrten. Kassandra war als Schauspielerin solchen Aufruhr gewohnt und steuerte unerschrocken auf Ramona zu, die sie herzlich begrüßte. Küsschen hier und Küsschen da. Gislinde war so beeindruckt, dass sie fast vergessen hätte, ihre Rolle weiterzuspielen.
Und wer konnte den Leibwächter übersehen, der nach Kassandra eingetreten war?
Gislinde blieb die Spucke weg. Sie guckte noch einmal genauer hin. Das war doch… Maria im schwarzen Anzug und mit Glatze. Am Kinn ein kleines Bärtchen und auf der Nase eine stylische Sonnenbrille.
Nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätte Gislinde gedacht, dass Maria ihre Haarpracht für dieses Paradestück opfern würde. Was für ein… Nicht zu fassen!
Maria grinste Gislinde zu und nahm ein Glas Champagner von ihrem Tablett. Das löste Gislindes Staunen etwas. „Wow!“, flüsterte sie. „Wow.“
In diesem Moment betrat Falk die Bühne. Falk, der Betrüger. Falk, der heute selbst zum Opfer werden sollte. Wenn alles nach Plan lief.
Gislinde duckte sich mit ihrem Tablett weg, als Ramona mit Kassandra im Schlepptau auf Falk zusteuerte. Aber natürlich entging ihren gespitzten Ohren nichts.
„Falk, mein Lieber!“ Ramona gurrte, wie eine verliebte Taube. „Darf ich dir Joycelette Miller vorstellen?“
Kassandra, alias Joycelette, war eine schöne Frau in den Dreißigern, hatte hinreißend klare Gesichtszüge und eine Figur, um die sie nicht nur Gislinde beneidete. Falk konnte gar nicht anders, als Kassandra bezaubernd zu finden. Gislinde hatte sich hinter ihn geschoben und registrierte seinen eleganten Handkuss.
„Danke, meine Liebe! Nun habe ich auch ein Gesicht zu unserem wundervollen Telefonat.“
Kassandra antwortete in einem Deutsch, das einen starken New Yorker Akzent trug. Gislinde hatte es gut mit ihr eingeübt und freute sich, dass es sich wahrhaftig echt anhörte.
„Vielen Dank, Herr Wiesemann. Nennen Sie mich bitte Joyce. Ich freue mich auch, Sie persönlich kennenzulernen. Sie haben eine ganz charmante Frau und dieses Haus! Ganz wundervoll.“
Falk so nah zu sein, rührte etwas in Gislinde auf. Wut? Enttäuschung? Oder einfach Ärger über sich selbst?
Als sie nun auch noch den Ring ihres Vaters an seiner Hand sah, die er besitzergreifend auf Kassandras Arm gelegt hatte, fiel es ihr schwer, ruhig zu bleiben.
„Bitte nennen Sie mich Falk. Ich bin sehr erfreut, in Ihnen eine so schöne und charmante Dame zu finden. Wollen wir vor dem Vergnügen noch unser kleines Geschäft abschließen? Haben Sie das Collier dabei?“
Kassandra lächelte breit. „Aber selbstverständlich. Mein Beschützer Gabor trägt es für mich.“
Sie wandte sich zu Maria um. Die besaß offensichtlich Nerven aus Stahl, denn sie nickte nur und übergab ein kleines, edles Lederköfferchen, das Gislinde bisher gar nicht wahrgenommen hatte.
Falk schien keinen Verdacht zu schöpfen. Kein Wunder. Marias fehlende störrische Mähne hatte sie derart verändert, dass nicht einmal ihre eigene Mutter sie erkennen würde.
Gislinde staunte immer noch über diesen klugen Schachzug und bemerkte bei der Gelegenheit das Jucken unter ihrer Perücke. Die musste sie so schnell als möglich loswerden. Es war einfach zu warm unter diesem Ding. Sie wandte sich ab und ging ein wenig umher, damit sie den Plan nicht durcheinanderbrachte.
Die Vorbereitung hatte einige Monate gedauert. Ramona entpuppte sich als sympathische und einfallsreiche Person, die sich ihr Mütchen an ihrem treu- und ehrlosen Ehemann kühlen wollte. Von ihr stammte auch die Idee mit dem Jadecollier, das Kassandra heute an Falk verkaufen wollte. Zum Vorzugspreis von dreihunderttausend Euro. Ein Schnäppchen.
Wobei das Jadecollier bei sehr genauer Betrachtung nicht aus Jade bestand und keineswegs historischen Wert hatte.
Aber das wusste Falk natürlich nicht. Eine weitere der zahllosen Nichten von Maria hatte ein Echtheitszertifikat ausgestellt, das mit seinen chinesischen Schriftzeichen absolut überzeugend aussah. Zusammen mit einer gefälschten Übersetzung und Kassandras vorgetäuschtem Fachwissen sowie einer guten Portion Frechheit konnte der Coup gelingen.
Gislindes Knie verflüssigten sich kurz zu einem Pudding. Es war einfach zu spannend.
Sie standen kurz davor, sich von Falk ihr Geld zurückzuholen. Der Mehrerlös sollte in einen Verein fließen, der sich um Betrugsopfer kümmerte. Sie wollten keinen Cent davon behalten. Aber Falk sollte bluten und es musste schmerzhaft sein. Hoffentlich gelang der Plan!
Auf einmal bemerkte sie, dass auf Marias Jackett in Höhe des Schulterblatts eine Art Etikett klebte. Möglicherweise stammte es vom Verleiher des Anzugs? Wenn Falk das bemerkte, sähe das gar nicht gut aus. Es brauchte vielleicht nur so eine Kleinigkeit, um ihn misstrauisch zu machen. Gislinde stellte das Tablett mit den Gläsern vorsichtig auf einem Sideboard ab, um das Etikett unauffällig zu entfernen.
In diesem Moment sprach sie eine Frau an. „Würden Sie mir bitte einen Orangensaft bringen? Frisch gepresst.“
„Äh…“
„Gleich, wenn es möglich ist.“
Verdammt! Nur kein Aufsehen erregen.
„Ja, sehr gerne. Einen Moment bitte.“
Als Gislinde zur Küche ging, sah Ramona sie an. Gislinde riss die Augen auf und zeigte mit dem Finger auf ihr Schulterblatt. Hoffentlich verstand Ramona.
——-
Kassandra begriff, warum die drei Damen Falk so betörend gefunden hatten. Sie selbst wäre auch auf den Charme dieses Menschen hereingefallen. Er besaß vollendete Manieren, sah gut aus, hatte eine angenehme Größe, war gepflegt und intelligent. Ein Prachtstück, mit dem Frau sich nicht schämen musste.
Hoffentlich war er nicht intelligent genug für das, was sie hier vorhatte. Sie beschloss, besonders vorsichtig zu sein und lächelte Falk an. „Wollen wir vielleicht an einen ruhigeren Ort gehen?“
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Ramona Maria etwas von der Schulter pflückte, während Falk sie zur Treppe geleitete, die ein Stockwerk nach oben führte.
„Wartet, ich möchte dabei sein!“
Ramona eilte, gefolgt von Maria, hinter ihnen her und sah dabei aus, wie ein Kind, das ein Bonbon geschenkt bekommen wird.
Kassandra stützte sich leicht auf Falks fürsorglich ausgestreckten Arm, lächelte und nickte ihm zu. „Besten Dank, edler Ritter.“
Oben angekommen führte Falk sie in eine Bibliothek. Der große Raum war in dunklen Tönen gehalten und wurde von einem riesigen Schreibtisch dominiert, auf dem sich lediglich ein altertümliches Schreibset und eine dieser grünen Tischlampen befanden, die sie schon immer toll fand. Der Fuß der Lampe und auch das Schreibset schienen aus massivem Silber gefertigt zu sein. Sehr elegant!
Kassandra legt das Köfferchen mit dem Collier auf dem Schreibtisch ab und sah sich um. „Sie haben es sehr schön hier. So anheimelnd.“ Und das war es auch. Sie mochte den Geruch von Büchern, die hier reichlich in den Regalen standen und auf kleinen Tischchen lagen.
Ramona machte sich an den Vorhängen zu schaffen. „Falk, wir brauchen Licht. Man sieht ja gar nichts.“ Dann knipste sie die Tischlampe an und zog das Köfferchen zu sich, wurde jedoch von Falk gestoppt.
„Lass mich das machen. Du bist immer so ungeschickt. Und schließlich will ich es kaufen, nicht du.“
Eine solche Bemerkung im Beisein einer fremden Frau war nicht besonders galant. Dazu noch in recht scharfem Ton. Kassandra bekam eine Ahnung davon, wie Falks andere Seite aussah. Ihr Mitleid mit ihm hielt sich ohnehin in Grenzen, schrumpfte jetzt aber noch ein bisschen mehr. Ein Betrüger war er. Ein Betrüger bleibt ein Betrüger bleibt ein Betrüger, nicht wahr?
Sie reichte Falk den Schlüssel zum Köfferchen und versuchte die Situation zu entspannen. „Sie werden es Ihrer Frau doch sowieso früher oder später verehren, habe ich Recht?“
Falk sah sich zu einem Lächeln genötigt. „Selbstverständlich. Zu gegebenem Anlass.“
„Nun denn. Bitte öffnen Sie den Koffer. Ich bin gespannt, wie es Ihnen gefällt.“
Falk rückte die Tischlampe zurecht, öffnete den Deckel und hob das Collier andächtig aus seinem Behältnis. Das Grün der Steine war außergewöhnlich.
„Kaisergrün. Ist es nicht wundervoll?“
Falk nickte. „Wunderschön.“
„Wussten Sie, dass die meisten Jadestücke in der Ming-Dynastie entstanden? Dieses Collier datiert jedoch noch davor. Ausweislich des Experten wurde es in der Yuan-Dynastie hergestellt.“
Falk, dessen Sammelleidenschaft sich auf Bronzestatuetten aus beiden Dynastien gründete, nickte. „Ja, das sehe ich.“ Er hob das Collier dichter unter den Lampenschirm. „Wie es schimmert.“
Nun holte Kassandra zum ersten Schlag aus. „Den Lichttest hat es einwandfrei bestanden. Schauen Sie.“ Sie holte aus der Tasche eine Juwelierslupe mit Beleuchtung. „Hier, die fasrigen Ränder. Es ist übrigens Jadeit, kein Nephrit.“
Bevor Falk eine Chance hatte, das Collier zu prüfen, stürzte Ramona sich darauf. „Ach, lass mich! Ich will es ansehen.“ Sie drängte an Falk vorbei, griff sich die Lupe und nahm das Collier an sich.
Kassandra musste sich ein Lächeln verbeißen. Maria alias Gabor, die hinter Falk stand, grinste jedoch breit. Ramona hatte in die Fälschung des Colliers zwar ihr gesamtes Können gelegt, aber falls Falk sich wider Erwarten als Kenner von Jadestruktur entpuppen sollte, doch diesen kleinen Trick vorgesehen. Mit Erfolg. Falk zuckte zurück, als hätte Ramonas Berührung ihn verbrannt.
Kassandra setzte nach. „Wussten Sie, dass Jade Sie vor negativen Einflüssen schützt und auch eine heilende Wirkung hat? Gerade, wenn es am Körper getragen wird, kann es seine Kraft gut entfalten. Und es bringt seinem Besitzer Glück, aber das ist Ihnen sicher bekannt.“
Aus dem unteren Teil des Köfferchens zog sie die Papiere und reichte sie ihm. „Das Originalgutachten und die beeidigte Übersetzung. Schauen Sie“, sie deutete auf eine Passage, „sämtliche Tests bestanden. Und hier…“, sie beugte sich dicht an Falk heran und präsentierte ihr Dekolletee, „die Expertise des Gemmologen.“
Ramona juchzte laut auf. „Oh, wie wunderschön! Du wirst es mir doch zum Geburtstag schenken, nicht wahr?“ Sie hielt das Collier an die Brust und begann, durch den Raum zu tanzen.
Falk sah aus, als ob jemand ihm einen kräftigen Tritt verpasst hätte. „Äh…“.
Kassandra schmunzelte. „Ihre Frau scheint begeistert zu sein. Was meinen Sie, kommen wir ins Geschäft?“
„Ich würde gern noch ein wenig überlegen und die Papiere prüfen.“
Falks Verstand schien sich zu melden. Ein verwirrter Falk würde auf ihre Scharade hereinfallen. Ein Falk, der klar denken konnte, würde vielleicht den Braten riechen. Maria schien zu erkennen, dass Falk zu Verstand kommen könnte. Sie sprach mit einer tiefen Stimme in einer Fantasiesprache, die ungarisch sein konnte. Kassandra antwortete rasch in ebendieser Fantasiesprache. Falk sah sie fragend an, während Ramona begann, laut zu summen.
„Gabor erinnerte mich daran, dass uns die Zeit ein wenig davonläuft. Ich bin nachher noch mit Frank Kollander verabredet.“
Kollander war so etwas wie Falks Gegenspieler. Immer einen Tick erfolgreicher, immer einen Tick einfallsreicher. Falk würde ihm kein Geschäft gönnen.
„Er hat ebenfalls Interesse an dem Collier. Aber Ihrer charmanten Frau zuliebe, wollte ich es Ihnen natürlich zuerst anbieten.“
Der Trick schien zu funktionieren. „Wieviel soll es denn kosten?“
Kassandra setzte sich mit einer Pobacke auf den Schreibtisch und ließ ein Bein baumeln. Sie lächelte. „Vierhundertfünfzig K.“
„Oh Falk, das ist es ganz gewiss wert“, ließ sich Ramona vernehmen und tanzte zwischen Kassandra und ihm hindurch, das Collier immer noch an sich gepresst.
„Liebes, gib mir das Collier! Ich kann keine Vierhundertfünfzigtausend bezahlen.“
Ramona machte einen Schmollmund. „Doch, du kannst.“
„Nein. Vielleicht Dreihundertfünfzigtausend.“ Falk war blass. Es war ihm anzusehen, dass er das Geschäft machen wollte. Vermutlich nicht, um seiner Frau eine Freude zu bereiten, sondern um Kollander eins auszuwischen. Dennoch wollte er natürlich so wenig wie möglich bezahlen.
Kassandra stand auf, wackelte mit dem Po und stellte sich direkt vor Falk. „Vierhundert K und“, sie nahm seine Hand, an deren Ringfinger Gislindes Ring prangte, „dieses hübsch Stück, damit ich meinem Verlobten eine Freude machen kann. Was sagen Sie, Falk?“ Sie strich ihm zärtlich über den Handrücken.
Falk stockte einen Moment. „Dreihundertachtzig und der Ring.“
Er hielt Kassandra die Hand zum Einschlagen hin.
Die zögerte noch einen Moment. „Deal! Weil Sie es sind. Ich kann gar nicht glauben, dass ich mich hier so herunterhandeln lasse.“
Falk lächelte und öffnete eine der Schreibtischschubladen. Er entnahm ihr einige Geldbündel, um die Banderolen geschlungen waren. Kassandra registrierte, dass noch weitere Geldbündel in der Schublade lagerten. Er hatte also mit einer höheren Summe gerechnet. Aha.
Allerdings hatte sie schon beachtenswerte Achtzigtausend mehr herausgeschlagen, als geplant, und noch Gislindes Ring obendrauf ergattert. Der Einfall mit dem Schmuckstück, an dem Gislinde so viel lag, war ihr spontan gekommen.
Falk legte die Geldbündel auf den Tisch und zog mit einem kleinen Zögern den Ring vom Finger. „Es ist eine Einzelanfertigung. Hoffentlich machen Sie Ihren Verlobten damit glücklich.“
Kassandra griff beherzt zu. Das Geld übergab sie an Maria, die es in ihrem Jackett verstaute. Kurz schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, dass die Banknoten gefälscht sein könnten. Vermutlich waren sie es nicht. Falk würde nicht riskieren, seinen Ruf zu verlieren, indem er Falschgeld unter die Leute brachte. Auch ein Betrüger hatte eine gewisse Ehre.
Ramona hatte das Collier inzwischen wieder in das Köfferchen gelegt und die Papiere, ohne dass Falk es bemerkte, in ihrem Gewand verstaut. Sie klappte das Köfferchen zu, drehte den Schlüssel herum und verstaute diesen in ihrem Büstenhalter.
Das Köfferchen überreichte sie Falk. „Liebling. Leg doch das schöne Stück in den Tresor. Heute Abend schauen wir es uns noch einmal gemeinsam an, nicht wahr?“
Falk sah nicht sonderlich erfreut aus, biss aber in den sauren Apfel.
Ramona hakte Kassandra unter. „Und ich nehme Joyce mit. Wenigstens ein Glas Champagner trinken Sie mit mir, bevor Sie gehen. Das sind Sie mir schuldig.“
Kassandra lachte. „Natürlich. Auf dieses besondere Geschäft müssen wir anstoßen.“
—–
Am Abend saßen alle Beteiligten um Charlottes Küchentisch, lachten und tranken und erzählten immer wieder, wie der Coup gelaufen war. Charlotte hörte mit erhitzten Wangen zu. Alle Sorgen waren ihnen genommen, wenn auch die Trauer über den Betrug an ihrer Liebe noch wie eine abgebrochene Pfeilspitze in ihrem Herzen saß.
Kassandra goss Champagner nach und reichte Gislinde ein Glas. Auf dessen Grund lag der Ring.
„Gislinde. Dieses Glas ist nur für dich. Manchmal glauben wir Dinge verloren und dann müssen wir nur ganz genau hinschauen, um sie wiederzufinden.“
Gislinde schaute zunächst verdutzt, ehe sie begriff. Staunend fischte sie den Ring aus dem Champagner und streifte ihn sich unter Tränen über. Und dann heulten und lachten alle wie wild durcheinander.
„Komm thon!“ Gislindes Aufregung machte sich bemerkbar. Sonst skandierte sie ihren imaginären Einkaufszettel in den unterschiedlichsten Tonlagen, um sich die einzelnen Dinge besser merken zu können. Jetzt verfiel sie unwillkürlich in diese Angewohnheit. Es war aber auch aufregend!
Ramona, Falks Noch-Ehefrau, schwebte in einem wadenlangen Kleid aus halbdurchsichtigem Stoff durch den Raum und plauderte mit den Gästen, die in kleinen Grüppchen umherstanden. Gislinde mit Perücke und einem Tablett voller Gläser bewaffnet, schob sich durch die Menge und hielt Ausschau nach Marias Nichte, die eigentlich jetzt ihren Auftritt haben sollte. Eigentlich. Wo blieb Kassandra nur?
Kassandra hatte sich bereit erklärt, den Köder zu spielen, als sie von dem Fiasko hörte, das Falk angerichtet hatte. Verständlicherweise wollte sie jedoch nicht allein in die Höhle des Löwen gehen und da Charlotte mit ihrer ausgeprägten Figur und Maria wegen ihrer Größe zu auffällig gewesen wären, fiel die Wahl auf Gislinde. Gislinde wusste nicht, ob das nun gerade schmeichelhaft war, erklärte sich aber bereit, als Joker zu fungieren.
Und da war sie! Atemberaubend. Kassandra hatte wohl tief im Kostümfundus des Theaters gegraben oder sie hatte eine teure Boutique geplündert. Gislinde glühte vor Begeisterung. Was für ein toller Hosenanzug! Das Stück sah aus, als ob es original aus den 70er Jahren stammte. Um den riesigen Hosenschlag hätte wohl selbst ABBA Marias Nichte beneidet.
Dazu trug sie hohe Plateausandalen und einen breitrandigen Hut. Alles in einem fast weißen Beige und mit einer Eleganz getragen, die beeindruckend war. Das fanden wohl auch einige der Gäste, die sich neugierig zu Kassandra herumdrehten und sie unverhohlen anstarrten. Kassandra war als Schauspielerin solchen Aufruhr gewohnt und steuerte unerschrocken auf Ramona zu, die sie herzlich begrüßte. Küsschen hier und Küsschen da. Gislinde war so beeindruckt, dass sie fast vergessen hätte, ihre Rolle weiterzuspielen.
Und wer konnte den Leibwächter übersehen, der nach Kassandra eingetreten war?
Gislinde blieb die Spucke weg. Sie guckte noch einmal genauer hin. Das war doch… Maria im schwarzen Anzug und mit Glatze. Am Kinn ein kleines Bärtchen und auf der Nase eine stylische Sonnenbrille.
Nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätte Gislinde gedacht, dass Maria ihre Haarpracht für dieses Paradestück opfern würde. Was für ein… Nicht zu fassen!
Maria grinste Gislinde zu und nahm ein Glas Champagner von ihrem Tablett. Das löste Gislindes Staunen etwas. „Wow!“, flüsterte sie. „Wow.“
In diesem Moment betrat Falk die Bühne. Falk, der Betrüger. Falk, der heute selbst zum Opfer werden sollte. Wenn alles nach Plan lief.
Gislinde duckte sich mit ihrem Tablett weg, als Ramona mit Kassandra im Schlepptau auf Falk zusteuerte. Aber natürlich entging ihren gespitzten Ohren nichts.
„Falk, mein Lieber!“ Ramona gurrte, wie eine verliebte Taube. „Darf ich dir Joycelette Miller vorstellen?“
Kassandra, alias Joycelette, war eine schöne Frau in den Dreißigern, hatte hinreißend klare Gesichtszüge und eine Figur, um die sie nicht nur Gislinde beneidete. Falk konnte gar nicht anders, als Kassandra bezaubernd zu finden. Gislinde hatte sich hinter ihn geschoben und registrierte seinen eleganten Handkuss.
„Danke, meine Liebe! Nun habe ich auch ein Gesicht zu unserem wundervollen Telefonat.“
Kassandra antwortete in einem Deutsch, das einen starken New Yorker Akzent trug. Gislinde hatte es gut mit ihr eingeübt und freute sich, dass es sich wahrhaftig echt anhörte.
„Vielen Dank, Herr Wiesemann. Nennen Sie mich bitte Joyce. Ich freue mich auch, Sie persönlich kennenzulernen. Sie haben eine ganz charmante Frau und dieses Haus! Ganz wundervoll.“
Falk so nah zu sein, rührte etwas in Gislinde auf. Wut? Enttäuschung? Oder einfach Ärger über sich selbst?
Als sie nun auch noch den Ring ihres Vaters an seiner Hand sah, die er besitzergreifend auf Kassandras Arm gelegt hatte, fiel es ihr schwer, ruhig zu bleiben.
„Bitte nennen Sie mich Falk. Ich bin sehr erfreut, in Ihnen eine so schöne und charmante Dame zu finden. Wollen wir vor dem Vergnügen noch unser kleines Geschäft abschließen? Haben Sie das Collier dabei?“
Kassandra lächelte breit. „Aber selbstverständlich. Mein Beschützer Gabor trägt es für mich.“
Sie wandte sich zu Maria um. Die besaß offensichtlich Nerven aus Stahl, denn sie nickte nur und übergab ein kleines, edles Lederköfferchen, das Gislinde bisher gar nicht wahrgenommen hatte.
Falk schien keinen Verdacht zu schöpfen. Kein Wunder. Marias fehlende störrische Mähne hatte sie derart verändert, dass nicht einmal ihre eigene Mutter sie erkennen würde.
Gislinde staunte immer noch über diesen klugen Schachzug und bemerkte bei der Gelegenheit das Jucken unter ihrer Perücke. Die musste sie so schnell als möglich loswerden. Es war einfach zu warm unter diesem Ding. Sie wandte sich ab und ging ein wenig umher, damit sie den Plan nicht durcheinanderbrachte.
Die Vorbereitung hatte einige Monate gedauert. Ramona entpuppte sich als sympathische und einfallsreiche Person, die sich ihr Mütchen an ihrem treu- und ehrlosen Ehemann kühlen wollte. Von ihr stammte auch die Idee mit dem Jadecollier, das Kassandra heute an Falk verkaufen wollte. Zum Vorzugspreis von dreihunderttausend Euro. Ein Schnäppchen.
Wobei das Jadecollier bei sehr genauer Betrachtung nicht aus Jade bestand und keineswegs historischen Wert hatte.
Aber das wusste Falk natürlich nicht. Eine weitere der zahllosen Nichten von Maria hatte ein Echtheitszertifikat ausgestellt, das mit seinen chinesischen Schriftzeichen absolut überzeugend aussah. Zusammen mit einer gefälschten Übersetzung und Kassandras vorgetäuschtem Fachwissen sowie einer guten Portion Frechheit konnte der Coup gelingen.
Gislindes Knie verflüssigten sich kurz zu einem Pudding. Es war einfach zu spannend.
Sie standen kurz davor, sich von Falk ihr Geld zurückzuholen. Der Mehrerlös sollte in einen Verein fließen, der sich um Betrugsopfer kümmerte. Sie wollten keinen Cent davon behalten. Aber Falk sollte bluten und es musste schmerzhaft sein. Hoffentlich gelang der Plan!
Auf einmal bemerkte sie, dass auf Marias Jackett in Höhe des Schulterblatts eine Art Etikett klebte. Möglicherweise stammte es vom Verleiher des Anzugs? Wenn Falk das bemerkte, sähe das gar nicht gut aus. Es brauchte vielleicht nur so eine Kleinigkeit, um ihn misstrauisch zu machen. Gislinde stellte das Tablett mit den Gläsern vorsichtig auf einem Sideboard ab, um das Etikett unauffällig zu entfernen.
In diesem Moment sprach sie eine Frau an. „Würden Sie mir bitte einen Orangensaft bringen? Frisch gepresst.“
„Äh…“
„Gleich, wenn es möglich ist.“
Verdammt! Nur kein Aufsehen erregen.
„Ja, sehr gerne. Einen Moment bitte.“
Als Gislinde zur Küche ging, sah Ramona sie an. Gislinde riss die Augen auf und zeigte mit dem Finger auf ihr Schulterblatt. Hoffentlich verstand Ramona.
——-
Kassandra begriff, warum die drei Damen Falk so betörend gefunden hatten. Sie selbst wäre auch auf den Charme dieses Menschen hereingefallen. Er besaß vollendete Manieren, sah gut aus, hatte eine angenehme Größe, war gepflegt und intelligent. Ein Prachtstück, mit dem Frau sich nicht schämen musste.
Hoffentlich war er nicht intelligent genug für das, was sie hier vorhatte. Sie beschloss, besonders vorsichtig zu sein und lächelte Falk an. „Wollen wir vielleicht an einen ruhigeren Ort gehen?“
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Ramona Maria etwas von der Schulter pflückte, während Falk sie zur Treppe geleitete, die ein Stockwerk nach oben führte.
„Wartet, ich möchte dabei sein!“
Ramona eilte, gefolgt von Maria, hinter ihnen her und sah dabei aus, wie ein Kind, das ein Bonbon geschenkt bekommen wird.
Kassandra stützte sich leicht auf Falks fürsorglich ausgestreckten Arm, lächelte und nickte ihm zu. „Besten Dank, edler Ritter.“
Oben angekommen führte Falk sie in eine Bibliothek. Der große Raum war in dunklen Tönen gehalten und wurde von einem riesigen Schreibtisch dominiert, auf dem sich lediglich ein altertümliches Schreibset und eine dieser grünen Tischlampen befanden, die sie schon immer toll fand. Der Fuß der Lampe und auch das Schreibset schienen aus massivem Silber gefertigt zu sein. Sehr elegant!
Kassandra legt das Köfferchen mit dem Collier auf dem Schreibtisch ab und sah sich um. „Sie haben es sehr schön hier. So anheimelnd.“ Und das war es auch. Sie mochte den Geruch von Büchern, die hier reichlich in den Regalen standen und auf kleinen Tischchen lagen.
Ramona machte sich an den Vorhängen zu schaffen. „Falk, wir brauchen Licht. Man sieht ja gar nichts.“ Dann knipste sie die Tischlampe an und zog das Köfferchen zu sich, wurde jedoch von Falk gestoppt.
„Lass mich das machen. Du bist immer so ungeschickt. Und schließlich will ich es kaufen, nicht du.“
Eine solche Bemerkung im Beisein einer fremden Frau war nicht besonders galant. Dazu noch in recht scharfem Ton. Kassandra bekam eine Ahnung davon, wie Falks andere Seite aussah. Ihr Mitleid mit ihm hielt sich ohnehin in Grenzen, schrumpfte jetzt aber noch ein bisschen mehr. Ein Betrüger war er. Ein Betrüger bleibt ein Betrüger bleibt ein Betrüger, nicht wahr?
Sie reichte Falk den Schlüssel zum Köfferchen und versuchte die Situation zu entspannen. „Sie werden es Ihrer Frau doch sowieso früher oder später verehren, habe ich Recht?“
Falk sah sich zu einem Lächeln genötigt. „Selbstverständlich. Zu gegebenem Anlass.“
„Nun denn. Bitte öffnen Sie den Koffer. Ich bin gespannt, wie es Ihnen gefällt.“
Falk rückte die Tischlampe zurecht, öffnete den Deckel und hob das Collier andächtig aus seinem Behältnis. Das Grün der Steine war außergewöhnlich.
„Kaisergrün. Ist es nicht wundervoll?“
Falk nickte. „Wunderschön.“
„Wussten Sie, dass die meisten Jadestücke in der Ming-Dynastie entstanden? Dieses Collier datiert jedoch noch davor. Ausweislich des Experten wurde es in der Yuan-Dynastie hergestellt.“
Falk, dessen Sammelleidenschaft sich auf Bronzestatuetten aus beiden Dynastien gründete, nickte. „Ja, das sehe ich.“ Er hob das Collier dichter unter den Lampenschirm. „Wie es schimmert.“
Nun holte Kassandra zum ersten Schlag aus. „Den Lichttest hat es einwandfrei bestanden. Schauen Sie.“ Sie holte aus der Tasche eine Juwelierslupe mit Beleuchtung. „Hier, die fasrigen Ränder. Es ist übrigens Jadeit, kein Nephrit.“
Bevor Falk eine Chance hatte, das Collier zu prüfen, stürzte Ramona sich darauf. „Ach, lass mich! Ich will es ansehen.“ Sie drängte an Falk vorbei, griff sich die Lupe und nahm das Collier an sich.
Kassandra musste sich ein Lächeln verbeißen. Maria alias Gabor, die hinter Falk stand, grinste jedoch breit. Ramona hatte in die Fälschung des Colliers zwar ihr gesamtes Können gelegt, aber falls Falk sich wider Erwarten als Kenner von Jadestruktur entpuppen sollte, doch diesen kleinen Trick vorgesehen. Mit Erfolg. Falk zuckte zurück, als hätte Ramonas Berührung ihn verbrannt.
Kassandra setzte nach. „Wussten Sie, dass Jade Sie vor negativen Einflüssen schützt und auch eine heilende Wirkung hat? Gerade, wenn es am Körper getragen wird, kann es seine Kraft gut entfalten. Und es bringt seinem Besitzer Glück, aber das ist Ihnen sicher bekannt.“
Aus dem unteren Teil des Köfferchens zog sie die Papiere und reichte sie ihm. „Das Originalgutachten und die beeidigte Übersetzung. Schauen Sie“, sie deutete auf eine Passage, „sämtliche Tests bestanden. Und hier…“, sie beugte sich dicht an Falk heran und präsentierte ihr Dekolletee, „die Expertise des Gemmologen.“
Ramona juchzte laut auf. „Oh, wie wunderschön! Du wirst es mir doch zum Geburtstag schenken, nicht wahr?“ Sie hielt das Collier an die Brust und begann, durch den Raum zu tanzen.
Falk sah aus, als ob jemand ihm einen kräftigen Tritt verpasst hätte. „Äh…“.
Kassandra schmunzelte. „Ihre Frau scheint begeistert zu sein. Was meinen Sie, kommen wir ins Geschäft?“
„Ich würde gern noch ein wenig überlegen und die Papiere prüfen.“
Falks Verstand schien sich zu melden. Ein verwirrter Falk würde auf ihre Scharade hereinfallen. Ein Falk, der klar denken konnte, würde vielleicht den Braten riechen. Maria schien zu erkennen, dass Falk zu Verstand kommen könnte. Sie sprach mit einer tiefen Stimme in einer Fantasiesprache, die ungarisch sein konnte. Kassandra antwortete rasch in ebendieser Fantasiesprache. Falk sah sie fragend an, während Ramona begann, laut zu summen.
„Gabor erinnerte mich daran, dass uns die Zeit ein wenig davonläuft. Ich bin nachher noch mit Frank Kollander verabredet.“
Kollander war so etwas wie Falks Gegenspieler. Immer einen Tick erfolgreicher, immer einen Tick einfallsreicher. Falk würde ihm kein Geschäft gönnen.
„Er hat ebenfalls Interesse an dem Collier. Aber Ihrer charmanten Frau zuliebe, wollte ich es Ihnen natürlich zuerst anbieten.“
Der Trick schien zu funktionieren. „Wieviel soll es denn kosten?“
Kassandra setzte sich mit einer Pobacke auf den Schreibtisch und ließ ein Bein baumeln. Sie lächelte. „Vierhundertfünfzig K.“
„Oh Falk, das ist es ganz gewiss wert“, ließ sich Ramona vernehmen und tanzte zwischen Kassandra und ihm hindurch, das Collier immer noch an sich gepresst.
„Liebes, gib mir das Collier! Ich kann keine Vierhundertfünfzigtausend bezahlen.“
Ramona machte einen Schmollmund. „Doch, du kannst.“
„Nein. Vielleicht Dreihundertfünfzigtausend.“ Falk war blass. Es war ihm anzusehen, dass er das Geschäft machen wollte. Vermutlich nicht, um seiner Frau eine Freude zu bereiten, sondern um Kollander eins auszuwischen. Dennoch wollte er natürlich so wenig wie möglich bezahlen.
Kassandra stand auf, wackelte mit dem Po und stellte sich direkt vor Falk. „Vierhundert K und“, sie nahm seine Hand, an deren Ringfinger Gislindes Ring prangte, „dieses hübsch Stück, damit ich meinem Verlobten eine Freude machen kann. Was sagen Sie, Falk?“ Sie strich ihm zärtlich über den Handrücken.
Falk stockte einen Moment. „Dreihundertachtzig und der Ring.“
Er hielt Kassandra die Hand zum Einschlagen hin.
Die zögerte noch einen Moment. „Deal! Weil Sie es sind. Ich kann gar nicht glauben, dass ich mich hier so herunterhandeln lasse.“
Falk lächelte und öffnete eine der Schreibtischschubladen. Er entnahm ihr einige Geldbündel, um die Banderolen geschlungen waren. Kassandra registrierte, dass noch weitere Geldbündel in der Schublade lagerten. Er hatte also mit einer höheren Summe gerechnet. Aha.
Allerdings hatte sie schon beachtenswerte Achtzigtausend mehr herausgeschlagen, als geplant, und noch Gislindes Ring obendrauf ergattert. Der Einfall mit dem Schmuckstück, an dem Gislinde so viel lag, war ihr spontan gekommen.
Falk legte die Geldbündel auf den Tisch und zog mit einem kleinen Zögern den Ring vom Finger. „Es ist eine Einzelanfertigung. Hoffentlich machen Sie Ihren Verlobten damit glücklich.“
Kassandra griff beherzt zu. Das Geld übergab sie an Maria, die es in ihrem Jackett verstaute. Kurz schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, dass die Banknoten gefälscht sein könnten. Vermutlich waren sie es nicht. Falk würde nicht riskieren, seinen Ruf zu verlieren, indem er Falschgeld unter die Leute brachte. Auch ein Betrüger hatte eine gewisse Ehre.
Ramona hatte das Collier inzwischen wieder in das Köfferchen gelegt und die Papiere, ohne dass Falk es bemerkte, in ihrem Gewand verstaut. Sie klappte das Köfferchen zu, drehte den Schlüssel herum und verstaute diesen in ihrem Büstenhalter.
Das Köfferchen überreichte sie Falk. „Liebling. Leg doch das schöne Stück in den Tresor. Heute Abend schauen wir es uns noch einmal gemeinsam an, nicht wahr?“
Falk sah nicht sonderlich erfreut aus, biss aber in den sauren Apfel.
Ramona hakte Kassandra unter. „Und ich nehme Joyce mit. Wenigstens ein Glas Champagner trinken Sie mit mir, bevor Sie gehen. Das sind Sie mir schuldig.“
Kassandra lachte. „Natürlich. Auf dieses besondere Geschäft müssen wir anstoßen.“
—–
Am Abend saßen alle Beteiligten um Charlottes Küchentisch, lachten und tranken und erzählten immer wieder, wie der Coup gelaufen war. Charlotte hörte mit erhitzten Wangen zu. Alle Sorgen waren ihnen genommen, wenn auch die Trauer über den Betrug an ihrer Liebe noch wie eine abgebrochene Pfeilspitze in ihrem Herzen saß.
Kassandra goss Champagner nach und reichte Gislinde ein Glas. Auf dessen Grund lag der Ring.
„Gislinde. Dieses Glas ist nur für dich. Manchmal glauben wir Dinge verloren und dann müssen wir nur ganz genau hinschauen, um sie wiederzufinden.“
Gislinde schaute zunächst verdutzt, ehe sie begriff. Staunend fischte sie den Ring aus dem Champagner und streifte ihn sich unter Tränen über. Und dann heulten und lachten alle wie wild durcheinander.