Ist das Kunst oder kann das weg?

Den Spruch kennt wohl jeder.
Ich komme auf dieses Thema, weil ich kürzlich mit einem jungen Mann diskutierte, der die Graffitikrakelei an einem Brückenpfeiler als Kunst klassifizierte. Aus meiner Sicht handelte es sich um eine Sachbeschädigung, ein schwarzes Gekrakel ohne Sinn und Verstand, die bestraft gehört.
Dass Kunst auch immer Geschmackssache ist, da sind wir uns bestimmt einig. Zwischen Sachbeschädigung und Kunst gibts allerdings einen großen Unterschied, finde ich. Gut, Banksy bemalt Fassaden auch ohne Zustimmung des Eigentümers und stellt Werke her, die viele Menschen erfreuen. Es gibt also Ausnahmen, wenn der Künstler den Geschmack des Publikums trifft.
Die Geschmackssache fängt schon damit an, dass viele Menschen eher die bildliche Kunst mögen, bei der wir erkennen können, was der Künstler darstellen will. Das muss uns nicht immer gefallen, aber zumindest ist erkennbar, was es sein soll. Es ist Kunst, ein Segelboot auf einem Fluss zu malen und es dabei so lebendig erscheinen zu lassen, als säße man direkt am Ufer.
Für manche Menschen ist das Gegenteil davon, die abstrakte Kunst, ein Zeichen für ein höheres Können und mehr Fantasie.
Ich persönlich mag eher die alten Meister, Rembrandt oder die Gebrüder Bruegel, folge aber auch einer modernen Künstlerin bei Facebook. Die malt sehr gekonnt Äpfel mit Zähnen oder setzt eine Gebärmutter in Kontext mit einer Kaugummipackung (Volaneart, wenn ihr mal gucken wollt). Ich kann nicht immer nachvollziehen, was die Künstlerin damit sagen will, aber sie regt zum Nachdenken und durchaus zum Austausch an. Dazu serviert sie sehr unterhaltsam feministische Ansichten, welche vielleicht die Grundlage für ihre Kunst sind.
Salvador Dali wiederum ist für mich ein Meister, der moderne und alte Kunst und Fantasie auf eine einzigartige und zeitlose Weise vermengt. Mit Picassos Kubismus kann ich dagegen gar nichts anfangen und finde diese Bilder einfach nur hässlich.
Ich mag auch Statuen, die einfach nur außergewöhnlichen, harmonischen Formen folgen oder schön geformte, handgefertigte Möbel oder… Es gibt so viel, das uns zum Staunen bringt oder vielleicht auch etwas Neid hervorruft, weil wir dieses oder jenes eben auch können möchten.
Letztlich ist nahezu alles, was der Fantasie entspringt oder die Realität widerspiegelt, Kunst. Das Errichten eines architektonischen Highlights oder das Schreiben von Geschichten ist selbstverständlich ebenfalls eine Kunst. Und in jeder Kunst stecken Handwerk und Können und ein Stück der Seele des Künstlers.
Die Vielfalt der Kunst, die uns umgibt oder die uns tagtäglich begegnet, wahrzunehmen, bedeutet aus meiner Sicht ein Stück Lebensqualität. Wer eine Gemäldegalerie oder einen schön gestalteten Garten besucht, wird auch immer Anregungen mit nach Hause nehmen oder zumindest ein angenehmes, lebendiges Gefühl empfinden.
Menschen, denen es (z.B. finanziell) nicht gut geht, fehlt sehr oft der Zugang zur Kunst. Wer ums Überleben kämpft, hat keinen Blick für „Schnickschnack“. Dabei würde, denke ich, durch Kunst der Blick geweitet und vielleicht der Blickwinkel auf die realen Herausforderungen positiv verändert werden.
Kunst kann Vieles und vieles verändern.
Da meine Figuren recht häufig in einem Dilemma stecken, fehlt ihnen zumeist die Muße, sich mit Kunst zu beschäftigen. Ich habe allerdings in „Der schöne Garten“ (Teil7, siehe Leseproben) ein wenig Kunst in Form von Skulpturen hineingepackt. Lass dich im Weiteren überraschen, was man damit so alles anstellen kann. Rache üben ist eine Möglichkeit (hihi).
Eine meiner nächsten Kurzgeschichten wird übrigens von einer Kunstlehrerin handeln, die ihre Schüler ungerecht behandelt und damit Böses entfacht. Die Story ist aber noch nicht fertig, sondern schwirrt mir erstmal als grobe Vorstellung im Kopf herum. Da ich selbst so eine unsägliche Lehrerin hatte, wird es mir vermutlich nicht schwerfallen, entsprechende Gefühle in mir zu erzeugen und zu Papier zu bringen. Ich bin selbst gespannt, wie blutig es werden wird. Lieber wäre mir allerdings gewesen, wenn die Dame zu meiner Schulzeit nicht nur den Unterrichtsstoff abgearbeitet, sondern uns Kindern tatsächlich ein Tor zur Kunst geöffnet hätte. Denn jeder Mensch ist auf seine eigene Weise kreativ und das ist etwas ganz Wunderbares.