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Menschliche Bedürfnisse
Neulich habe ich eine interessante Diskussion verfolgt. Es ging darum, ob literarische Figuren auch menschliche Bedürfnisse/Beeinträchtigungen verspüren dürfen – gemeint sind Harn- oder Stuhldrang, allergische Reaktionen, Jucken, Schnupfen, Müdigkeit, Hunger, Durst usw. – auch wenn es nicht für die Handlung erforderlich ist. Wie menschlich dürfen und sollen Figuren sein? Wenn zum Beispiel eine Karawane tagelang durch die Wüste wandert. Da frage ich mich doch automatisch, wie machen die das, wenn die mal müssen? Da ist ja kein Baum, hinter den sie sich mal eben setzen können. Dann wäre es schön, wenn der Autor eine Antwort parat hätte.
In actionreichen Filmen müssen die Helden äußerst selten aufs Klo, menstruieren nicht, ackern 36 Stunden ohne Müdigkeitserscheinungen oder ohne zu essen und zu trinken, weil es nicht in die Handlung passt. Dabei fände ich es schon witzig, wenn die Rettung der Welt sich um 10 Minuten verzögert, weil Superman mit Durchfall auf der Schüssel sitzt… Wäre doch nur menschlich, oder?
Und wenn ich diese Bedürfnisse in die Handlung einbaue, wie ausführlich darf’s denn sein?
Romantische Geschichten
Ein Erlebnis während meiner letzten Reha fand ich sehr beeindruckend.
Eine junge Therapeutin interessierte sich für mein Schreiben und bat mich während einer Behandlung, mal etwas zum Besten zu geben. Ich skizzierte eine kleine romantische Geschichte, die ich kürzlich geschrieben habe, freute mich über die Begeisterung der Therapeutin und vergaß die kleine Episode. Sie offenbar nicht.
Einige Tage später sprach mich eine fremde Patientin an, ob ich die Frau sei, die so schöne Geschichten schreibt. – Ja, bin ich. Sie hätte von dieser Liebesgeschichte gehört und alle am Tisch hätten mit Tränen in den Augen dagesessen. Und nun möchten sie gerne wissen, wie es ausgeht.
Ich habe es ihr natürlich gesagt und hatte anschließend stundenlang ein Grinsen im Gesicht. Sie hoffentlich auch. Ich war gleichzeitig erfreut, erstaunt und belustigt. Wie hatte meine Story so schnell die Runde machen können? Und wieso konnte sie fremde Menschen zu Tränen rühren?
Obwohl laut meiner Internetrecherche im deutschsprachigen Raum die Top-Genres Krimis und Thriller sind, erobert auch immer mehr das Genre Romance/ Romantik das Publikum. Mit Liebesgeschichten lässt sich gutes Geld verdienen. Aber warum ist das so?
Feiertage
Mit Blick auf die bevorstehenden Osterfeiertage schreibe ich heute einmal über „Feiertage“. Wer mir auf Instagram oder Facebook folgt, kennt meine Kolumne. Seit Oktober letzten Jahres schreibe ich dort fast täglich über „die etwas anderen Feiertage“, die international aber auch zum Teil nur in einzelnen Ländern begangen werden. Man findet da wirklich Einiges und zum Teil sehr Kurioses im Internet.
So gibt es zum Beispiel den Finde-dich-damit-ab-Tag, den Tu-etwas-Tag, den Mach-andere-glücklich-Tag, aber auch Tage, an denen wir uns bunt kleiden sollen, rückwärtsgehen oder über die Straße hüpfen sollen. Tage, an denen grüne Schuhe gefeiert werden, die Leberwurst hoch leben soll, die Erdbeere bejubelt wird und vieles mehr. Sogar den Tag des Furzes gibt es. Im Prinzip finden sich an jedem einzelnen Tag des Jahres mehrere Gründe, jemanden oder etwas zu feiern, dem wir sonst nicht so viel Beachtung schenken. Viele Feiertage sollen uns auch aufwecken, uns animieren, dem Alltagstrott zu entfliehen oder uns und unser Handeln in Frage zu stellen. Sie sollen uns inspirieren, auch mal etwas scheinbar Verrücktes zu tun. Erst das macht doch unser Leben bunt.
Einsamkeit Teil 2
Eure vielen Kommentare, Anregungen und Fragen zeigten mir, dass das Thema Einsamkeit interessant ist, auch wenn es uns aktuell vielleicht nicht betrifft. Aber jeder hat schon Situationen oder Phasen erlebt, in denen er sich einsam gefühlt hat – und das war keine schöne Erfahrung.
Kürzlich sah ich im Fernsehen einen Beitrag über eine junge Münchnerin, die über Social Media zu einem Spaziergang gegen Einsamkeit eingeladen hat. Sie hatte die Idee aus dem Ausland mitgebracht, wo sie guten Anklang fand. Nun… In München kamen statt der erwarteten etwa 20 Personen letztendlich 250, zumeist junge Frauen, die Anschluss suchten und nun auch fanden. Experiment gelungen und für so gut befunden, dass es wiederholt werden soll.
Für mich wurden hier zwei Dinge deutlich. Zum Einen gab es jemanden, der eine Möglichkeit zum Kennenlernen geschaffen hat, ganz simpel und ohne großen Aufwand. Die Initiatorin reichte Betroffenen sozusagen die Hand zur Selbsthilfe. Zum Anderen haben die Teilnehmer ihre innere Hürde genommen und den Schritt gewagt, auf wildfremde Personen zu treffen, ohne zu wissen, wie sie wahrgenommen werden oder ob sie ins Gespräch kommen können.
Einsamkeit – Teil 1
In meiner seelsorgerischen Praxis begegnet mir das Thema Einsamkeit regelmäßig und oft, deshalb möchte ich heute etwas dazu schreiben.
Per Definition bezeichnet der Begriff „Einsamkeit“ vor allem eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlich vorhandenen sozialen Beziehungen eines Menschen. Dabei ist zu beachten: Einsamkeit ist etwas anderes, als Alleinsein.
Alleinsein kann reinigend, kraftspendend und motivierend wirken. Oft suchen wir uns diese Phase selbst aus, begeben uns beispielsweise ins Kloster oder suchen die Ruhe in der Natur, um nachdenken zu können. Wir wissen, dass wir dieses Alleinsein jederzeit unterbrechen und wieder Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen können. Stehen wir in unserem Leben an einem Scheideweg, suchen wir gern das Alleinsein, um uns zu sortieren und neu durchstarten zu können. Dann tut uns das Alleinsein gut.
Einsame Menschen hingegen hadern mit dem Alleinsein, dem Fehlen sozialer Kontakte. Einsamkeit kann krank machen, kraftzehrend und deprimierend sein. Und es betrifft alle Altersklassen und Geschlechter.
Im Lauf der Zeit habe ich gelernt, zu unterscheiden, welche Menschentypen es gibt, die mit der Einsamkeit zu kämpfen haben. Diejenigen, die zwar unglücklich mit ihrer Situation sind, sich jedoch regelrecht weigern, aktiv etwas daran zu ändern. Obwohl ihnen die ganze Welt offensteht und es praktisch keine Hindernisse gibt, die zwischen ihnen und anderen Menschen stehen. Und diejenigen, die aus den verschiedensten Gründen einsam sind und aus ebenso vielen Gründen nicht wissen, wie sie ihre Einsamkeit beenden können, obwohl sie es sich sehr wünschen.
Bei manchen ist die Einsamkeit zeitlich begrenzt oder situationsbezogen. Jeder kennt bestimmt das Gefühl, auf einer Party zu sein, wo sich niemand um einen kümmert und man keinen Anschluss findet. Oder es geht uns nicht so gut und wir wünschen uns, dass jemand das wahrnimmt und wenn dies nicht passiert, fühlen wir uns einsam. Und Einsamkeit kann sehr weh tun.
Zeit verschenken
In meiner neuen Geschichte „Glühweinzauber“ habe ich etwas verarbeitet, was mir in Anbetracht all der Menschen, die geschäftig die Weihnachtstage vorbereiten und dafür sorgen, dass der Gabentisch auch ja nicht leer bleibt, immer häufiger verloren zu gehen scheint: Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, auch für die Nöte anderer.
Ja, uns erreichen gerade zur Weihnachtszeit viele Spendenaufrufe und manchem kommen wir auch nach. Ich spende regelmäßig für SOS Kinderdorf, für meinen Tierschutzverein und kürzlich habe ich Tasso e.V. eine Spende überwiesen. Auch unsere neue Anthologie (siehe Bild), für die zahlreiche Autoren ihre Geschichten und die Einnahmen spenden, ist gerade erschienen und bedenkt in diesem Jahr den Oldenburger Straßenengel e.V., der sich um Obdachlose kümmert.
Aber das meine ich nicht, wenn ich schreibe, dass die Aufmerksamkeit für die Nöte anderer meiner Meinung nach zu kurz kommt. Mit Erschrecken habe ich kürzlich gesehen, was Eltern und Großeltern für Berge aus einem Spielzeugladen herausgeschleppt haben. Es war der reine Wahnsinn! Und was in den Körben lag… In Plastik eingepacktes Plastikspielzeug, teuer, pädagogisch unnütz und schon gar nicht nachhaltig. Schon unsere Kleinsten werden zu Konsumenten erzogen, denen das Plastikding (für den Moment) wichtiger ist, als Zwischenmenschliches. Oder glaubt ihr, dass auch nur 1 Prozent der Kinder, die so maßlos beschenkt werden, mal eine Suppenküche von innen gesehen oder einen einsamen Menschen im Altersheim besucht hat?
Hab dich nicht so! Das ist doch alles gar nicht so schlimm! Reiß dich zusammen! Das wird schon wieder! Anderen geht es noch schlechter! Das ist nur eine Phase! Du packst das schon! Du bist doch stark! Sei ein Mann! Sei erwachsen!
Die Liste solcher Sätze könnte ich noch fortsetzen, aber hier genügt es, sie als Beispiel zu nehmen. Als Beispiel wofür?
Alle diese Sätze sind Ausdruck von Hilflosigkeit. Derjenige, der sie sagt, fühlt sich in diesem Moment überfordert, weiß nicht, wie er reagieren soll, kann mit der Situation nicht umgehen, ist schlichtweg hilflos, meist ohne sich das eingestehen zu wollen.
Alle diese Sätze sind sehr menschlich, aber bei genauer Betrachtung verletzend. Und kein einziger davon hilft demjenigen, der da grad ermuntert oder getröstet werden soll.
Warum ist das so?
Stellt dir vor, du trauerst oder dir geht es schlecht. Da hast du das ganz natürliche Bedürfnis, dir Trost zu suchen, darüber zu sprechen und damit die Last, die du verspürst, etwas zu teilen. Würde dir einer dieser Sätze oben helfen, dich trösten oder machen, dass es dir besser geht? Nein?
Genau.






