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Buchempfehlungen


Nein, der Titel ist nicht fehlerhaft, sondern so gewollt, denn das Buch beinhaltet nicht nur Geschichten über Brücken, sondern auch darüber, wie sie Menschen miteinander verbinden.

Unter Federführung der Autorin Dagmar Schmidt, die nicht nur Romane und Krimis verfasst, sondern auch wunderbare Kurzgeschichten schreibt, entstand das Buch „ÜberBrücken“, dessen Erlöse komplett dem Kinderhospiz Sternenbrücke zufließen.

Ich habe die Kurzgeschichte „Gefunden“ beigesteuert. 22 weitere Autoren näherten sich mit ihren Kurzgeschichten ebenfalls und auf die unterschiedlichste Weise dem Thema „Brücke“. Spannend, wie andere Autoren das jeweilige Thema bearbeiten! Ich habe mich regelrecht durchs Buch durchgefräst.

Die eingereichten Stories auf Herz und Nieren zu prüfen, ist sicher keine einfache Aufgabe, hier aber sehr gut gelungen.

Selbst wenn so eine Kurzgeschichtensammlung voraussichtlich nicht zum Bestseller mutiert, ist es doch wichtig, genauso viel Akribie auf die Qualität der eingereichten Stories sowie deren Lektorat und Korrektat zu verwenden.  Dass dies im Selbstverlag meist in der Freizeit und unentgeltlich durch die Beteiligten passiert, möchte ich hier ganz anerkennend erwähnen und an dieser Stelle natürlich für den Kauf dieses zauberhaften Buches werben.

Ganz unten, hinten, im letzten Fach meines Bücherregals lagen sie – meine Epper-Bücher. Verlegt vom Freiheit-Verlag Halle, meiner Heimatstadt und geschaffen von Arthur Epperlein, ebenfalls Hallenser und schon deshalb ein Muss für ein Kind der Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Bei der Recherche zu meiner heutigen Buchempfehlung stellte ich fest, dass Epperlein, der unter dem Künstlernamen „Epper“ veröffentlichte, auch in den westdeutschen Medien einen Namen hatte. Sein gezeichneter Humor wurde zudem in vielen anderen Ländern gedruckt, auch in den USA und der damaligen UdSSR. Schau an, das hätte ich nicht gedacht!

Epperlein veröffentlichte in den 1960er bis 1980er in seinem ganz unverkennbaren und ich möchte sagen, einzigartigem Stil, zahllose gezeichnete Witze. Dabei nahm er nicht selten auch die politischen Verhältnisse aufs Korn (zum Beispiel den Handwerkermangel in der DDR oder kapitalistische Auswüchse), oft genug aber Zwischenmenschliches und Alltägliches. Epperlein zeichnete Situationen, die jedem von uns passieren können, auf eine Art, die ich als hinterf***** definieren würde und die oft erst beim zweiten Blick ihre Wirkung entfalten. Sehr unterhaltsam.

Auch heute noch sind seine Themen aktuell. Vielleicht aktueller denn je.

Die Epper-Bücher sind übrigens immer noch erhältlich. Als sie in meinen Besitz kamen, kosteten sie 2,30 DDR-Mark. Heute sind sie deutlich teurer, aber erschwinglich. Und wer feinsinnigen Humor mag – für den sind sie ein Muss.

Hier schneiden Verfilmung und Buch gleichermaßen gut ab, obwohl die Handlung für den Film natürlich angepasst wurde.

Der Autor Anthony Doerr verarbeitet das Thema „2. Weltkrieg“ auf eine sehr ruhige und poetische Weise. Sätze wie „Das Blut schwappte wie Quecksilber in Werner herum.“ sprechen eine bildliche Sprache, die sich durch den gesamten Roman zieht und das Geschehen erträglich und gleichzeitig begreifbar machen.

Die Handlung besteht aus 3 Hauptsträngen. Da ist Marie-Laure, ein blindes französisches Mädchen, das mitten im Kriegsgeschehen aufwächst und für den Widerstand arbeitet. Werner, ein deutsches Waisenkind, fällt den Behörden durch seine außergewöhnliche technische Begabung auf. Diese treibt ihn letztendlich bereits als 14-jährigen in die Mühlen des Krieges. Und um diese beiden Handlungsstränge, die sich nur kurz am Ende des Romans berühren, windet sich die Geschichte eines kranken deutschen Offiziers auf der Suche nach einem Edelstein, der die Heilung seiner Krankheit und ewiges Leben verspricht.

Die Kapitel sind kurz, manche nur 1,5 Seiten lang, was das Lesen durchaus angenehm macht. Es gibt Rückblicke , die die Handlung sehr gut beleuchten und sozusagen den Teppich für unsere Gefühle weben. Die Fortschreibung der aktuellen Handlung ist mitreißend und spannend, wobei der Autor im Wesentlichen auf Überraschungsmomente verzichtet.

Das Buch erhielt 2015 verdient den Pulitzerpreis, nicht zuletzt, weil es tiefe Einblicke in eine Zeit gewährt, die für uns nahezu unvorstellbar ist.  Wenn ich Sterne vergeben würde, gäbe es für dieses Buch statt der Höchstzahl 5 glatt 6 Sterne!

Dieser Thriller ist inzwischen mehr als 30 Jahre alt und dennoch sehr gut zu lesen. Der Autor Dean Koontz ist ein extrem fleißiger Schreiber und zu Recht äußerst erfolgreich. Doch von was handelt „Drachentränen“?

Kurz: Ein Mann mit übernatürlichen Kräften ist in diesem Roman der Bösewicht. Koontz erklärt die Herkunft dieser Kräfte recht plausibel und nachvollziehbar, so dass der Fakt für mich ziemlich glaubwürdig ist. Nennen wir den Mann einfach mal Ticktack. Ticktack hat ein Hobby. Er mordet nach Lust und Laune. Aber warum?

Der Autor Patrick Süßkind hat hier bereits 1985 ein Meisterwerk geschaffen, das den meisten nur in seiner Verfilmung bekannt ist. Ich habe den Film vor vielen Jahren gesehen, bezweifle nun aber – nach der aktuellen Lektüre – dass dieser dem Buch auch nur annähernd gerecht wird. Worum geht´s?

Jean-Baptiste Grenouille, ein zum Wegwerfen bestimmter Säugling, wird durch Zufall gerettet. Seine Kindheit ist extrem schwer und wird auch noch dadurch belastet, dass er keinen Eigengeruch hat, was Menschen instinktiv abstößt. Die Natur hat ihn, um die Waagschale wieder ins Gleichgewicht zu bringen, dafür aber mit einem einzigartigen Geruchssinn ausgestattet, der das weitere Schicksal dieser Waise bis zu seinem Tod bestimmen wird. Grenouille liebt alle Gerüche, die der Steine, des Hafens, des Marktes, ja eigentlich von allem, was auf der Welt existiert. Am meisten liebt er aber den Duft junger unschuldiger Mädchen…

Der Autor bringt es fertig, uns die Düfte und Gerüche und das Sein des Waisenknaben so mitreißend zu schildern, dass der Leser keine Sekunde darüber im Zweifel ist, dass dies der Wahrheit entspricht. Grenouilles Leidenschaft, ja Lebensinhalt, die Gerüche der Welt zu erfassen, zu kopieren, neu zu kreieren, letztlich die Essenz von 24 schönen Jungfrauen gleichsam wie Edelsteine in einen Ring zu fassen und mit dem Elixier der allerschönsten 25. Jungfrau wie mit einem Diamanten zu krönen, ist genial beschrieben. Zwischendrin habe ich recherchiert, ob Süßkind vor seinem Autorendasein vielleicht Parfümeur war, weil es einfach unglaublich ist, wie er die Düfte und auch die Herstellung von Gerüchen schildert. Ergebnis: Er ist kein Parfümeur. Seine Leistung als Autor dieses Buches kann deshalb nur noch mehr hervorgehoben werden.

„Das Parfum“ ist durchweg spannend geschrieben und auch in den Schilderungen der Parfumherstellung keine Sekunde langweilig (obwohl ich umfassende Beschreibungen eigentlich überhaupt nicht mag). Der Schluss des Romans, den ich hier nicht verrate, ist ebenso genial wie einzigartig. Ein einzigartiger Lesegenuss!

Mondscheinzauber ist ein zauberhafter, charmanter und durchaus witziger Roman um die Liebe zweier Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Ich mag ja Bücher mit Protagonisten, die nicht wie aus dem Ei gepellt daherkommen und die Autorin Christina Jones trifft hier mit der 35jährigen, übergewichtigen Cleo, die – wie sie selbst feststellt- über reichlich Cellulite verfügt, genau meinen Geschmack. Eingepackt ist die Handlung in ein kleines britisches Dörfchen voller kauziger Bewohner und ein etwas aus dem Ruder laufendes Erntedankfest, dessen Schilderung mich wirklich zum Kichern brachte. Wie so oft in diesem Genre ist das Ende relativ vorhersehbar und tatsächlich ein bisschen arg kitschig. Aber die Autorin hat sich die üblichen, mitunter abgegriffenen „Spannungselemente“, wie künstlich aufgeblähte Missverständnisse, Streit und Versöhnung gespart. Das hebt sich wohltuend von anderen Romanen ab.

Sie spielt stattdessen mit den durch die unterschiedlichen sozialen Schichten entstehenden Vorurteilen und Erwartungen, setzt die herzerfrischend schrägen Dorfbewohner gekonnt in Szene und kreiert mit dem Zusammentreffen von Cleo und Dylan, dem Angebeteten, andere Maßstäbe der romantischen Unterhaltung. 

Abgesehen von dem kitschigen Ende (manche mögen das ja) hat die Geschichte für mich zwei Mankos. Ungefähr drölfunddrölfzig Mal wird Dylan als hinreißend und attraktiv beschrieben. Das sollte man eigentlich schon nach drei Erwähnungen begriffen haben. Und es wird leider so gar nicht klar, warum sich dieser hinreißend attraktive Womanizer in die ältere und übergewichtige Cleo verliebt. Dass er sie toll findet, ist mir an dieser Stelle zu wenig. Dennoch ist der Roman absolut unterhaltsam, leicht zu lesen und macht gute Laune. Was will Frau mehr? 

Eins meiner Lieblingsbücher überhaupt ist „Das Bild“ von Stephen King, der das Thema „Häusliche Gewalt“ hier sehr packend und realitätsnah verarbeitet.

Die Hauptfigur Rosie wird darin von ihrem Ehemann Norman, einem Polizisten, jahrelang gequält und gedemütigt. Gerade weil er Polizist ist, baut er darauf, dass niemand Rosie Glauben schenken wird und redet ihr das auch erfolgreich ein.

Als Rosie es nach vierzehn Jahren doch schafft, völlig ohne Plan und nur mit dem, was sie auf dem Leib hat sowie mit einer kleinen Geldsumme zu fliehen, fühlt Norman sich herausgefordert und zieht alle Register, auch jene, die ihm beruflich zur Verfügung stehen, um Rosie aufzufinden. King schafft es, uns Rosie innerhalb der ersten Seiten emotional ans Herz zu legen. Dies gelingt ihm auch, weil wir wissen, dass es tausenden von Frauen genauso wie Rosie geht. Gestern, heute und morgen gab, gibt und wird es gewalttätige Ehemänner geben. Dieses Wissen verstärkt die Spannung und die Tiefe des Romans enorm.