Buchempfehlungen
Lieber Leser, liebe Leserin,
ich habe Zeit meines Lebens Bücher gelesen und bin inzwischen im Besitz von mehr als 2000 Büchern, von denen ich mich nicht trennen kann, weil die (ziemlich große) Möglichkeit besteht, dass ich sie doch noch einmal in die Hand nehmen möchte. Gelesen habe ich natürlich viel mehr. Allerdings habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, Bücher, die mich nicht so sehr ansprechen oder begeistern, in andere lesefreudige Hände zu geben. Denn wie alles im Leben ist auch ein Buch immer Geschmackssache und vielleicht findet das gedruckte Werk, das mir selbst nicht so gefällt, an anderer Stelle ein freundliches Zuhause.
Ich stelle dir hier meine absoluten Favoriten vor und hoffe, ich kann dich ebenso dafür begeistern. Viel Freude beim Lesen!
Der Schamane
Nahezu jeder kennt Noah Gordons Roman „Der Medicus“ – aber kennt ihr auch den 2. Teil der Trilogie? „Der Schamane“ schließt in Stil und Handlung wunderbar an Teil 1 an und begeisterte mich ebenso, auch wenn er nicht ganz so spektakulär ist. „Der Schamane“ fließt eher in ruhigen Gewässern, ist deshalb aber keineswegs langweilig, sondern sehr angenehm zu lesen. Wir erleben hier hautnah das Geschehen rund um den Nachfahren des „Medicus“, Doc Rob J. Cole und dessen tauben Sohn, Shaman (der Schamane genannt), der trotz seiner Behinderung ein begnadeter Mediziner wird. Zeitlich befinden wir uns im Jahr 1839 ff. und erleben mit, wie der wilde Westen zur Zivilisation reift. Der Weg dahin ist freilich mit viel Unwissenheit und zahlreichen Auseinandersetzungen gepflastert, was dieser Familiensaga insgesamt ihren Reiz verleiht.
Noah Gordon gestaltete sympathische Charaktere, würzte mit interessanten historischen Details, mixte damaliges medizinisches Wissen hinzu und hält die Spannung über die gesamten 700 Seiten. Absolut lesenswert!
Für diejenigen, die es interessiert: Teil 3, „Die Erben des Medicus“ spielt in der Neuzeit und war deshalb für mich nicht ganz sooo interessant- ist aber dennoch eine tolle Ergänzung der Geschichte um die Familie Cole und deshalb ebenfalls lesenswert.
Cupido
Wie kaum eine andere Autorin versteht es Jilliane Hoffman, einen abwechslungsreichen, hochspannenden Thriller zu präsentieren, der den Leser immer tiefer ins Geschehen einsaugt.
Hoffman kleckert nicht, sie klotzt. Mit einfachen Verbrechen gibt sie sich nicht ab, es muss schon etwas spektakulärer sein. Für feingeistige Gemüter sind ihre Werke deshalb eher nicht geeignet.
Im Mittelpunkt des Romans steht Staatsanwältin C.J.Townsend aus Miami, die uns hier nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal begegnet. Und darüber bin ich froh, weil diese Figur alles hat, was es für einen guten Thriller braucht.
Townsend trifft in dieser Geschichte auf den Mann, der sie einmal schwer vergewaltigte, misshandelte und zum Sterben zurückließ. Sie überlebte, physisch und psychisch gezeichnet, um viele Jahre später elf Fälle auf den Tisch zu bekommen, die ihrem unheimlich ähneln.
Erinnerungen an einen Mörder
Dieses Buch ist bisher das Einzige von der Autorin Petra Hammesfahr, das ich bisher gelesen habe- aber das wird sich ändern. So eine hohe, atmosphärische Erzähldichte ist mir noch nicht begegnet. Ich hatte den Eindruck, die Autorin hat alles selbst erlebt. Genial!
Der Aufbau dieses Kriminalromans ist ebenfalls besonders. Wir erleben das Geschehen aus der Sicht des 8-jährigen Felix, dessen Eltern und Geschwister zu Tode kommen. Entdeckt wird die Tat, weil Felix traumatisiert und blutüberströmt über die Straße läuft. Das Kind kann sich an den Vorfall zunächst nicht erinnern. Erst im Lauf der Zeit fügt sich Puzzlestück zu Puzzlestück, wird Felix auf der Suche nach der Wahrheit in die Irre geführt, landet in vermeintlichen Sackgassen und klärt Dinge auf, die er als Kind nicht wissen konnte und die sich maximal in Albträumen manifestiert haben. Der Leser erfährt nur das, was Felix selbst erfährt. Raum für Spekulationen ist dennoch genug, das macht Spaß und das Ende ist überraschend, aber nicht gänzlich unvorhersehbar.
Hägar der Schreckliche
Diese geniale Comicserie von Dik Browne bringt alle Verheirateten mit Sicherheit zum Schmunzeln und Kichern. Unverheiratete oder jene, die mit einer Eheschließung liebäugeln, erfahren hier auf jeden Fall, was sie erwartet.
Mich selbst erinnern Hägar und Helga an meine Eltern, die nicht immer miteinander, aber auch nicht ohneeinander konnten.
Der Autor nimmt mit den „Heldengeschichten aus dem Leben eines furchtlosen Wikingers“ gnadenlos alles aufs Korn.
Natascha Kampusch – 3096 Tage
Wer erinnert sich nicht an diesen österreichischen Entführungsfall und den Tag, an dem das Opfer Natascha Kampusch nach acht Jahren Gefangenschaft flüchten konnte?
Wir lesen hier die erschütternde Wahrheit darüber, wie es zu dieser Entführung kommen konnte, was Natascha erdulden musste, warum es ihr trotz einiger Möglichkeiten nicht gelang, früher zu fliehen und wie es ihr letztendlich doch gelang.
Gerade die Frage, warum Natascha Kampusch nicht fliehen konnte, obwohl der Täter sie sogar mit zum Einkaufen nahm oder im Garten arbeiten ließ, hat sicher viele, nicht nur mich, beschäftigt.
Symphonie der Fantasie
Im Regal nicht fehlen dürfen Bücher, in denen meine Kurzgeschichten enthalten sind. Dieses hier ist ein ganz besonderes Buch – krönt der Herausgeber mich doch darin zur „Queen of Shortstories“, ein Titel, den ich nach fast vierzig veröffentlichten Kurzgeschichten gern annehme.
Hier enthalten sind meine fünf besten Geschichten. Ich habe tatsächlich zwei graue Haare mehr, weil ich diese Auswahl treffen musste. Aber sei es drum. Fünf auf einen Streich!
Der Herausgeber, Hari Patz, sowie drei weitere Autoren, allesamt haben bereits eigene Bücher/ Romane veröffentlicht, geben sich hier ein Stelldichein. Biba Al Nasiri, Marie Renningshaus und Tom Real, alle hatten die Qual der Wahl und steuerten jeweils fünf ihrer besten Kurzgeschichten bei.
Die Einnahmen fließen, wie immer, am Jahresende einem guten Zweck zu und schon deshalb sollte die Symphonie der Fantasie auch in deinem Bücherschrank nicht fehlen.
Meine Geschichten handeln von Liebe, von tödlichen Entscheidungen, Sehnsucht, verfressenen Mäusen und Drachenreitern, die wichtige Botschaften transportieren. Lass dich überraschen!
Hunde unter Wasser
Heute mal nix zum Lesen, sondern zum Gucken und Mitfreuen.
Dieses Buch ist nicht ausschließlich für Hundefreunde gedacht, wird aber bei diesen ganz besondere Emotionen hervorrufen.
Seth Casteel ist Fotograf und in der Tierrettung aktiv. Die Fotos in diesem Buch sind ursprünglich nicht geplant gewesen, sondern ein Zufallsprodukt. Bei einem Shooting sprang das Model (ein Cavalier King Charles Spaniel) immer wieder in den Pool, um ein Bällchen herauszuholen, das er vorher selbst hineingeschubst hatte. Casteel dachte sich, warum nicht? Er besorgte Unterwasserequipment und erlebte die größte Überraschung seines Lebens.
Danach arbeitete er mit vielen verschiedenen Hunden, die eines eint: pure Lebensfreude. Selbst Tiere, die zuvor nie geschwommen waren, zeigten sich beim Tauchen nach dem Spielzeug absolut nicht ängstlich, sondern selbstvergessen, fröhlich, kindlich.
Die Bilder sind herrlich. Manche sehen gefährlich aus (na klar, wenn ein Hund sein Gebiss zeigt), manche sind einfach nur lustig und alle strahlen eine gewisse Leichtigkeit aus. Die Hunde wollen nur eins: das Spielzeug aus dem Wasser holen.
Mich überkam beim Blättern in diesem Buch der Gedanke, dass ich auch gern (wieder) so unbekümmert wäre, so einzig auf diesen einen Augenblick fokussiert, ohne darüber nachzudenken, was passieren könnte.
Und genau das ist es, was Seth Casteel uns mit diesem tollen Buch vermittelt: es ist möglich, wir müssen es nur tun.






