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Leseproben/Kurzgeschichten


Susans sorgsam gehegtes Universum verschob sich zum ersten Mal, als ihr Fahrrad mit einem Stein kollidierte und sie in hohem Bogen in eine andere Welt katapultierte. Natürlich waren die erlittenen Verletzungen äußerst schmerzhaft. Noch schmerzhafter war jedoch die Gewissheit, in der nächsten Zeit auf die Hilfe fremder Menschen angewiesen zu sein. Nicht, dass Susan eine Misanthropin wäre, aber sie hatte das Heft schon gerne in der Hand und bestimmte selbst, wer in ihrem Dunstkreis verweilen durfte.

Vielleicht war Susans Widerwille gegen die erzwungene Nähe zu anderen Patienten, Pflegekräften und Ärzten der Motor für ihre schnelle Wiederauferstehung nach der Operation. Bereits zwei Tage später begann sie mit den ersten Rundgängen durch das Krankenhaus. Zwar begegneten ihr auch dort Menschen, aber denen konnte sie gut ausweichen und glücklicherweise gab es genug stille Ecken, in denen sie das Alleinsein genießen konnte. 

Ich liebe Geschenke.

Sie müssen nicht groß sein, auch kleine Geschenke machen mir durchaus Freude. Ihr Preis ist nebensächlich. Mehr Wert lege ich darauf, dass das Präsent von Herzen kommt und der Schenkende sich etwas dabei dachte, als er es auswählte.

So habe ich mich einmal mordsmäßig über ein Buch meines Lieblingsautors gefreut, von dem ich gar nicht wusste, dass es existierte. Dieses Buch stellte alle anderen Geschenke in den Schatten und ich kann euch verraten, die waren auch nicht von Pappe!

Natürlich gefällt mir nicht jedes Geschenk, selbst wenn es mit Herzblut beschriftet ist. Und natürlich würde ich niemals aussprechen, dass mir etwas nicht gefällt, was ein anderer mit Bedacht und vielleicht auch Liebe ausgewählt hat.

Es ist noch gar nicht so lange her, da lebten im Fünferland, das wie eine Insel zwischen dem Zwölfer- und dem Neunerland liegt, fünf Zwerge.

Maxel, Schnurpel, Tippsi, Kracher und Butzel, so hieß der Kleinste von ihnen, wohnten fernab von ihren Zwergenfamilien. Tagein tagaus gingen sie in den Wald und fällten Bäume und wer weiß, wie schwer die Arbeit für große Menschenleute ist, der kann gut nachvollziehen, wie hart sie schuften mussten. Schließlich maß der Größte unter ihnen, Schnurpel, gerade einmal zwei Spannen. Oder anders ausgedrückt: einem Menschenmann reichte Schnurpel nicht ganz bis zum Gürtel, während Butzel die Kniescheibe eines Menschenmannes sehr sehr gut aus Augenhöhe studieren konnte.